Montag, 25. Juni 2012

Eine Mini-VBT und zwei Mini-Bulgaren in drei Tagen

Am Wochenende war ich bei einer richtigen bulgarischen Familie zu Gast. Das muss man den Bulgaren lassen: Sie sind wirklich gastfreundlich. Ich wurde vom Busbahnhof abgeholt (obwohl er 10 km entfernt war), mit Eis und Brot und Grillfleisch und Salat vollgestopft (du armes Kind; nicht, dass du uns noch verhungerst), und konnte das Spiel mit der Familie schauen. (4:2 für Deutschland! Wir sind so geil!) Ich kenne sie übrigens von YFU; sie werden im nächsten Schuljahr eine unserer Schülerinnen aufnehmen. Die Eltern sind beide wirklich nett und waren ganz interessiert an Deutschland und an mir, und die Kinder sind so süß!





Sie wohnen in einem ganz hübschen Haus in einem süßen kleinen Dorf -- theoretisch ist es eine Stadt, aber alle kennen alle, es fahren kaum Autos und es ist ganz still und idyllisch.





Am Samstag sind wir nach Etropole gefahren und haben dort ein Kloster
angeschaut. Dann waren wir noch auf einem Kindergeburtstag, das war auch sehr interessant.



Für Sonntag hatten wir von YFU eine Abiturientin eingeladen, die bald nach Deutschland fliegt. Sie verbringt dort ein Jahr als EVS-Freiwillige (das ist praktisch das Programm, an dem ich auch gerade teilnehme). Wir haben in ca. fünf Stunden (inklusive Mittagessen) ganz schnell die wichtigsten Dinge zum Kulturaustausch durchgenommen -- Kulturbegriff, Identität, Werte, Anpassung... Es war eigentlich ganz witzig, weil wir nicht so richtig Ahnung hatten, wie wir das angehen, und es nur so ganz grob durchgeplant hatten, es dann aber richtig gut lief und am Ende ziemlich rund war. Wir haben's halt drauf.

Ja, und das war's praktisch auch schon an interessanten Sachen der letzten Woche. Nächste Woche mache ich den letzten Workshop der Saison und dann gibt es die Colored-Glasses-Jahres-Abschluss-Party.

Bis später!
Eure Kathi

Montag, 18. Juni 2012

Hitze und Workshops und Kabarett – haha!


Es ist unglaublich warm in Sofia. Na gut, so schlimm wäre es ja gar nicht, von den Temperaturen her, aber in der Stadt ist der Sommer immer noch schlimmer als auf dem Dorf (finde ich). Dank des Wetters habe ich Kopfschmerzen, aber dafür keine Motivation, irgendetwas zu tun.

Am Dienstag haben wir einen Workshop in Stara Zagora durchgeführt (wo es irgendwie noch heißer war als in Sofia), und zwar von 17:50 bis 19:20 Uhr – so ist das hier mit dem Zwei-Schichten-System in der Schule. Dabei waren diesmal nur deutsche Teamer: Zwei Freiwilligendienstler, eine Sprachassistentin und deren Freundin, die auch Sprachassistentin ist (aber in Cluj, Rumänien). Das war ziemlich witzig mit allen. Und die Nacht habe ich dann bei den Eltern unserer einen Freiwilligen geschlafen, die waren auch sehr nett. Am nächsten Tag bin ich dann nachmittags zurück nach Sofia gefahren, nachdem ich noch mit den ganzen Freiwilligen Zeit verbracht und Mittag gegessen habe. Ich hab unterwegs die ganze Zeit geschlafen, und auch, als ich dann zu Hause war, war ich noch ziemlich erschöpft. Ich habe mal nachgerechnet:

4 Tage mit drei anderen Freiwilligen in Thessaloniki (Urlaub)
7 Tage Besuch aus Deutschland (und dreieinhalb davon waren in Istanbul)
3 Tage Pause
4 Tage in Varna (Workshops und Freunde besuchen)
1 Tag Besuch aus Varna (zum Reisepass ausstellen lassen)
2 Tage in Stara Zagora (Workshops)

Okay, eigentlich sollte das ja mein Job sein, durch Bulgarien zu reisen und so weiter, aber kaputt war ich nach all dem trotzdem. Ich habe also erst mal gechillt und bin dann zur Adlerbrücke gegangen, um Fußball auf dem Bildschirm dort zu schauen (Deutschland – Niederlande). Nach der ersten Halbzeit bin ich aber gegangen, um mit meinem Kollegen und seiner Schwester und seiner Mitbewohnerin abzuhängen. Seine Wohnung ist jetzt schon etwas sauberer, aber die Küche ist immer noch... überholungsbedürftig. Aber sie hat schon einen Namen.

Am Donnerstag war ich erstmal bei einer Buchvorstellung (eine Freundin von mir hat ein Buch geschrieben!) und bei der Abschiedsparty einer anderen Freundin -- auf dem Dach.



Seit letztem Jahr wurde schon der Kabarettauftritt von Andreas Rebers in Sofia von der Deutschen Botschaft total gehypet. Dafür war es, um ehrlich zu sein, ziemlich enttäuschend. Meine Art von Humor war es jedenfalls nicht. Zwischendurch gab es eine Pause, und danach kam ich mir wirklich nur noch vor wie ein kleines Kind in der Oper, „Sind wir bald fertig? Können wir nach Hause gehen?“ Es war auch richtig warm dort drinnen. Vielleicht ist die Klimaanlage ausgefallen. Nachher sind wir aber noch was trinken gegangen, das war auch noch ganz nett.

Am Samstag haben wir im YFU-Büro eine Art Mini-VBT veranstaltet, mit genau einer Schülerin (sie war bei der eigentlichen VBT krank). Nachher war ich noch im Park (ich liebe Sofia einfach)...


... und dann bei diesem Protest an der Adlerbrücke („Rettet die Wälder!“). Es war sehr interessant und ist ja auch eine gute Sache, aber mir kam es so vor, als würden da alle möglichen und unmöglichen Gruppierungen aufs Trittbrett springen – links, rechts, Mitte, oben, unten... Andererseits ist es ja auch gut, dass so viele verschiedenen Menschen für diesen gemeinsamen Grund zusammen kommen. Jedenfalls habe ich noch nie so viele verrückte Haarschnitte und -färbungen an einem Ort gesehen, vor allem bei den Männern (lang, kurz, Vokuhila, rasiert u. v. m.).


Und Pferde gab es!


Für den Tag hatten wir eigentlich auch ein gemeinsames Fußballgucken im YFU-Büro geplant, aber... niemand ist gekommen. Fies. Na ja, nächsten Monat denken wir uns etwas Attraktiveres aus.

Sonntag war – endlich mal – Gammeln angesagt. Ich bin kurz zum Einkaufen aus dem Haus gegangen, aber sonst habe ich nur zu Hause und auf dem Balkon gechillt. Das Spiel habe ich abends online und auf dem Balkon geschaut. Das war so richtig dekadent – mit Decke und Liegestuhl und einem Glas Orangensaft.

Eine kühle Woche wünscht euch
Kathi

Montag, 11. Juni 2012

Acht Stunden Zugfahrt, zwei Workshops und ein Sonnenbrank

Hallihallo ihr Daheimgebliebenen,

wie geht's, wie steht's? Die letzte Woche war mal wieder ganz voll, aber auf eine angenehme Art. Mal sehen...

Montag habe ich meinen Besuch zum Flughafen gebracht und war dementsprechend bis 6 Uhr auf. Schlaf ist eh was für Langweiler.

Dienstag war ich mit meinem Kollegen in IKEA (er hat sich ein Bett, einen Lattenrost und ein Kissen gekauft -- nicht zu vergessen ein Besteckset). Der Karton von IKEA war irgendwie 12 x 13 x 204 cm, und wir haben das mit einem Taxi zu seiner neuen Wohnung transportiert. Das war ganz lustig. Und dann hat es geregnet und wir sind jeweils 50 % nass geworden. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Donnerstag sind wir mit dem Zug nach Varna gefahren! Das waren sieben Stunden und 45 Minuten, also sagen wir acht Stunden. Es war richtig schön. Bulgarien ist einfach wunderschön, und dann im Sommer im uralten DDR-Zug über die Wiesen und Felder und durch die Berge und an Seen vorbei... das hatte echt was. Wir waren dann gegen 21 Uhr da und wurden ganz nett von unseren EVS-Kollegen aufgenommen. Am Freitag gab's dann die Workshops! Wir haben unsere vier motivierten Freiwillige vor der Schule getroffen, alles vorbesprochen und dann losgelegt. Der erste Workshop war echt super, der zweite auch -- nur dass wir für den auf ein Mal nur noch 45 - 60 Minuten hatten. Das war einfach blöd kommuniziert; ich ging von drei Zeitstunden aus, sie meinten aber drei Schulstunden. Dafür hat es dann aber echt noch erstaunlich gut geklappt!

Am Samstag war wieder Sommer, Sonne, Sonnenschein angesagt -- muss ja sein, wenn man in Varna ist. Für meine zarte Haut war es aber etwas zu viel Sonnenschein... mein oberer Rücken ist jetzt richtig schön rot. Ich hatte mich ja extra richtig gut eingecremt, aber dabei einen Teil vergessen (mein Gedankengang war ungefähr so: "Wenn ich jetzt die Strickjacke ausziehe, muss ich mir ja auch Arme und Schultern eincremen... und dann penn ich mal ein, zwei Stunden, auf dem Bauch liegend, ohne daran zu denken, dass mein Kleid relativ rückenfrei ist.") Und na ja, von hinten sehe ich jetzt aus wie eine umgedrehte polnische Flagge. Aber das gehört ja auch zum Sommer!

Später haben wir noch das Spiel Deutschland -- Portugal geschaut. Ich musste nur an dieses Harry-Potter-Zitat denken:

"Aber Bulgarien hat Viktor Krum", sagte Fred.
"Krum ist gerade mal ein brauchbarer Spieler, Irland hat sieben", sagte Charlie schroff.

Portugal hat Ronaldo...

Sonntag sind wir per Anhalter zurück nach Sofia. Es war richtig super, aber auch total heiß. Ich war dankbar für meinen Hut (Sonnenstich kommt nicht so toll). Zwischendurch standen wir (gefühlt) richtig lange bei Veliko Turnovo und waren schon ganz fertig, aber dann hat ein Priester für uns angehalten, das war richtig nett. Er hat dann unterwegs so Gebetsgesänge auf Kassette gehört -- interessant.

Jetzt habe ich reisepassbedingten Besuch aus Varna, und morgen steht noch ein Workshop in Stara Zagora an, aber davon berichte ich nächste Woche. Bis dann!

Eure Kathi

Montag, 4. Juni 2012

Girl Talk, Shopping, Hitchhiking

Diese Woche war meine beste Freundin aus Deutschland da, und es war einfach toll. Wir haben uns richtig gut verstanden und es war, als wäre ich nie weg gewesen. Sofia hat ihr auch gefallen (ich sag doch, dass es eine schöne Stadt ist!); sie hat es als "Paris für Arme" bezeichnet. Wir haben vegan gekocht und jede Menge Filme geschaut und einfach quality time zusammen verbracht.

Am Mittwoch ging's dann los nach Istanbul, und das per Anhalter. Es war gut, dass wir früh morgens losgefahren sind, weil wir erst die Bushaltestelle verpasst und deshalb nicht zur Autobahn gefunden haben. Dann hat uns aber ein freundlicher Bulgare erklärt, wie wir dorthin kommen, und ein anderer freundlicher Bulgare hat uns bis dahin mitgenommen. Wir mussten nicht mal fünf Minuten dort stehen, bis uns ein Architekt aus Sofia bis Plovdiv mitgenommen hat. Dort haben wir dann etwas länger gewartet und hatten dafür dann aber auch einen richtig netten Fahrer (Pavel aus Sofia), der uns nach Harmanli gefahren hat. Von dort hatten wir dann drei verschiedene Kurzstreckenfahrer bis zur türkischen Grenze. Irgendwie haben uns nur einzelne Männer mitgenommen -- aber das kann auch daran liegen, dass allgemein einzelne Männer mehr in ihren Autos unterwegs sind. Von der Grenze hat uns so ein türkischer Mechaniker mitgenommen, der fast kein Englisch konnte, aber ganz nett war (wir haben Tee und Zigaretten bekommen). Er ist nur bis Havsa gefahren (so 80 km von der Grenze entfernt), und weil es dann so extrem geregnet hat, haben wir uns dann doch für den Bus entschieden. Es war auch recht billig: 13 € für drei Stunden Fahrt. Um 21:30 Uhr waren wir am Busbahnhof und haben uns erst mal Türkische Lira gezogen und zur Wohnung unseres CouchSurfing-Gastgebers durchgeschlagen (okay, so schwierig war es nicht). Ihre Wohnung ist eigentlich ziemlich cool gewesen, schön groß (vor allem im Vergleich zu Sofioter Wohnungen) und sehr persönlich, also nicht so mainstream.



Und sie hatten einen Hund! Er hieß Max und war ein Golden Retriever und ganz süß und jung (erst ein Jahr alt). Er war außerdem sehr... energiegeladen. Ich rege mich ja schon oft genug darüber auf, wie Haustiere so in Deutschland behandelt werden, aber in anderen Ländern ist das oft noch deutlich schlimmer. Er kam meiner Meinung nach viel zu selten raus und war den Tag über viel zu lang alleine. Armes Tier.



Unsere Gastgeber konnten zwar nicht so gut Englisch (oder Deutsch, oder Französisch, oder Bulgarisch, oder Spanisch, oder Latein), aber sie waren richtig freundlich und hilfsbereit und großzügig. Am ersten Abend haben sie uns gleich Essen von Burger King besorgt (und bezahlt) und einer der beiden hat praktisch auf dem Boden geschlafen, sodass wir sein Zimmer hatten. Und er hat meiner Freundin Sandwiches gemacht; das war auch ganz nett. Wir haben es sogar geschafft, uns über Feminismus und seine Hobbies und seine Mutter und seine Ex-Freundin und seinen Mitbewohner zu unterhalten, obwohl es dabei klang, als sei mindestens einer von uns irgendwie geistig behindert (Verben sind für Anfänger, was?).

Am nächsten Tag sind wir zur Blauen Moschee gefahren -- muss man ja als Touristen gemacht haben. Praktischerweise kamen wir gerade zur Mittagsgebetszeit an, sodass wir eine Präsentation über die Moschee auf sehr schnellem und korrektem britischen Englisch genießen konnten. Ich hab sogar eine deutsche Ausgabe des Korans bekommen! Die Moschee konnten wir danach auch noch besichtigen, und sie war richtig schön.




Anschließend sind wir -- natürlich -- wieder mal ausgiebig shoppen gegangen. Jede Menge Touristenkram, klar, aber das gehört ja dazu. Ich hab Mandelöl für die Haare, einen Hut, türkisfarbenen Nagellack, und ein Paar Schuhe gekauft. Und natürlich Zeug für die Daheimgebliebenen. Türkischer Honig mit Schokolade überzogen! Und überall hingen Katzen ab.





Also die Türken sind echt richtig hilfsbereit und gastfreundlich. Das war nicht nur unser Gastgeber, das zeigte sich bei allen, die wir so getroffen haben -- selbst wenn sie kein Wort Englisch konnten. Eine Gruppe Jugendlicher hat uns am Freitagmittag einfach mal mit an den Hafen genommen und uns Tee und Sonnenblumenkerne gekauft. So random -- but awesome. Und unser Gastgeber hat uns einfach mal so in der Stadt getroffen und uns alle möglichen Sachen gezeigt und es war einfach genial:












Na ja, und das war eigentlich auch schon die Türkei. Am Samstag sind wir wieder zurück und haben vegane Pizza gemacht (Leute, ich habe Pizza gegessen, seid stolz auf mich) und einen Film geschaut. Sonntag wollten wir eigentlich die Free Sofia Tour mitmachen; wir waren auch rechtzeitig da und sind erst mitgelaufen, hatten aber große Probleme, deren Geschichten zu folgen (weil müde). Wir haben uns dann von der Gruppe getrennt, uns einen Kaffee gegönnt und sind Second-Hand-Shopping gegangen. Ich habe drei Kleider, ein Top und ein Paar Shorts für 6,50 € gekauft. Das ist doch nicht schlecht. Abends haben wir dann noch die neue (bzw. zukünftige) Wohnung meines Kollegen angeschaut -- er hat ja jetzt endlich eine, halleluja. Dann sind wir die Nacht wach geblieben, weil das Flugzeug meiner Freundin um 6 Uhr ging und wir um 3:30 Uhr zum Flughafen gefahren sind. Eigentlich hätte es dank Online-Check-in und fehlendem Gepäck zur Aufgabe auch gereicht, um 5:30 Uhr da zu sein, aber das wussten wir ja nicht. So ist es besser, als zu spät dran zu sein.

Und das war's eigentlich von meiner Woche! Cheerio und bis demnächst!

Kathi