Montag, 16. April 2012

Христос воскресе!

"Christ ist erstanden!"

An diesem Sonntag war Ostern und ich hatte ein langes Wochenende, so wie alle Bulgaren, die nicht gerade Ärzte oder Feuerwehrmänner oder so etwas sind.

Die freie Zeit wusste ich auch zu nutzen: Am Freitag war ich z. B. in insgesamt sieben verschiedenen Kirchen. Morgens bin ich mit einer Freundin zur 9-Uhr-Messe in der Alexander-Nevski-Kathedrale gegangen; weil es aber niemanden interessiert, ob du dabei bleibst oder nicht (und man die ganze Zeit stehen muss), sind wir nach 45 Minuten wieder gegangen und haben uns kurz die jeweiligen Gottesdienste in Sveta Sofia und Sveta Nedelja angesehen. Als wir in letzterer Kirche waren, war der Gottesdienst schon fast zu Ende und danach konnte man unter so einer Art Tisch durch kriechen (das symbolisiert wohl die Erlösung oder Abwaschung der Sünden oder so), nachdem man einen Weihrauchsetzling bekommen, ein paar Münzen in die Kollektekiste gesteckt, das Kreuz geküsst, die Bibel berührt, und sich bekreuzigt hat. Ja, es war kompliziert, aber wir haben vorher beobachtet, was die anderen gemacht haben. Fun Fact: Orthodoxe bekreuzigen sich umgekehrt, d. h. von rechts nach links. Die Erklärung für den Fun Fact von letzter Woche findet ihr übrigens bei Wikipedia.

Anschließend waren wir noch in der großen katholischen Kirche, wo es übrigens Gottesdienste auf Polnisch, Bulgarisch und Latein gibt. Ich glaube, ich gehe mal zu so einer lateinischen Messe. Das wäre bestimmt interessant. Dann kamen wir noch an einer rumänisch-orthodoxen Kirche vorbei und sind da kurz reingegangen. Es war wie eine bulgarisch-orthodoxe Kirche, mit mehr Lichtern und Teppichen und weniger Platz.

Dann habe ich mir im Einkaufszentrum zwei Jeans gekauft und bin zum anglikanischen Gottesdienst gegangen. Es war ganz interessant, obwohl nur so zehn Leute da waren. Und ich "durfte" etwas aus dem Neuen Testament lesen. Sie haben mich für Samstagabend/Sonntagmorgen wieder eingeladen, aber das habe ich beides verpennt. Na ja. Ich denke, ich gehe in Zukunft vielleicht lieber zu den Katholiken (die haben da sonntags erst um 11 Uhr einen Gottesdienst, da kann ich länger schlafen).

Und Samstag bin ich mit der gleichen Freundin in die Kinderoper gegangen! Sie haben "Die Zauberflöte" gespielt. Es war auf eine Stunde gekürzt und auf Bulgarisch übersetzt. Das Ergebnis war leicht verwirrend und führte bei mir öfters zu diesem Gesichtsausdruck, aber ich schätze, um Kinder an das Medium "Oper" heranzuführen, ist es gerade das Richtige.

Und dann hat es gehagelt.


Tja, April, April, der macht, was er will...

Auf dem Weg nach Hause wurde ich noch richtig schön nass bis auf die Haut, und da das Wetter auch nicht besser wurde und ich müde war, beschloss ich, einen Gammel-Nachmittag einzulegen, mit Bettdecke auf der Couch, mehr oder weniger legalen Aufnahmen von Sitcoms online und Schokolade. Das muss auch mal sein. Und deswegen habe ich auch den Samstagabendgottesdienst verpasst.

Abends war dann aber wieder soziale Interaktion an der Reihe: Mit unserem mexikanischen Freiwilligen habe ich gekocht, bzw. mexikanisches Fleisch aufgewärmt, und er hat Bohnen püriert und Tortillas gemacht, während ich Kuchen für die Kirche gebacken habe. (Oh je, ich verwandele mich in eine US-amerikanische Vorstadthausfrau.) Die Tacos waren sehr lecker -- und authentisch! Dann haben wir noch Eier gefärbt, mit variierenden Ergebnissen (hier möchte ich meinen Eltern für das Färbeset danken, das sie mir bei ihrem Besuch mitgebracht haben). Und wir haben keine Fotos gemacht! Tut mir Leid.

Jetzt zum Höhepunkt des Wochenendes (und des Kirchenjahres):


 Die orthodoxe Mitternachtsmesse. Wir waren in der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit; eine (bulgarische) Freundin von mir hatte da früher den Chor dirigiert und besucht die jetzt jedes Jahr an Ostern. Erst standen wir auf dem Dach, aber anscheinend bringt das furchtbares Unglück und wir mussten ganz schnell runter und uns hinter dem Chor verstecken. Der Chef der Kirche da (Priester? Bischof? Keine Ahnung.) hat so eine Frau und ihre Tochter richtig fertig gemacht, weil sie da nicht stehen konnten -- das durften nur die Leute aus dem Chor. Das Stichwort für Schuldgefühle auf meiner Seite. Aber ich glaube, die Freundin von mir hat dafür am Ende keinen Ärger bekommen, und wir wurden als "Gäste" des Chors bezeichnet. Yay.

Nachdem alle Kerzen entzündet und die Gemeinde in die Kirche geführt wurde, hatte der Chor eine halbe Stunde Pause und es gab viele "Christ ist erstanden!", ein Büffet (Potluck) und Eierkämpfe. Ich hab verloren. Aber hey, dafür gab es jede Menge Süßkram zu essen!


Dann folgten weitere zwei Stunden Liturgie. Leider habe ich fast gar nichts verstanden -- Bulgarisch ist ja eine Sache, aber Altkirchenslawisch? No way. Davon abgesehen wäre es auch mit Bulgarisch als Muttersprache nicht viel interessanter gewesen. Mein Eindruck von der bulgarisch-orthodoxen Kirche ist sowieso, dass die Gottesdienste sehr viel passiver sind (also was die Beteiligung der Gemeinde angeht) als z. B. die evangelischen oder katholischen. Und die sind wiederum nichts im Vergleich zu einigen US-amerikanischen Freikirchen. Wir waren also erst unten in der Kirche, dann draußen vor der Kirche, dann wieder oben auf der Empore, und gegen 2 Uhr morgens war es dann vorbei. Ich bin aber trotzdem erst um 5 oder 6 Uhr ins Bett gegangen. Und deswegen habe ich auch den Sonntagmorgengottesdienst verpasst. UND den Sonntagnachmittagsgottesdienst der Nazarener um 14 Uhr. Ähh. Na ja.


Kathi

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