Montag, 30. April 2012

CG, VBT und AP-ATS

Alles klar, was?

Jetzt bin ich wieder sehr YFU-tätig. Es scheint, als tue sich doch noch was in Bezug auf Workshops und alles andere. Wir nehmen im nächsten Schuljahr vier Mädels aus Deutschland auf und suchen deshalb acht Gastfamilien (für den Sprachkurs und fürs ganze Jahr). Deswegen war ich die Woche lang damit beschäftigt, allen, die ich kenne, von den Schülerinnen zu erzählen, die Profile auf Flyergröße zu kürzen und ein Plakat zu entwerfen. Eine interessierte Familie gibt es sogar schon! Ich bin mal gespannt, was daraus wird.

Hier in Bulgarien ist der Sommer angekommen (Frühling? Was ist Frühling?). Deswegen war ich viel draußen: Am Samstag mit meinem Kollegen und einer deutschen Freundin, heute mit einer bulgarischen Freundin. Der Park ist richtig schön -- ich find's super, dass es hier mitten in der Stadt auch noch ein bisschen Grün gibt.


(Zugegeben, das Foto ist vom September, aber die Stelle war die gleiche.)

Außerdem betreiben wir jetzt ein bisschen Networking für Colored Glasses und für YFU im Allgemeinen. Eine unserer neuen Teamerinnen hat uns in ihrer früheren Schule vorgestellt, und wir warten jetzt noch, ob wir mal zu einem Workshop eingeladen werden. Und am letzten Sonntag habe ich den anderen Mädels vom Free Hugs einen Flyer und ein paar mündliche Infos über CG gegeben und das hat sich, wie sich später heraus stellte, auch gelohnt! Sie haben es ihrer Direktorin gezeigt und sie fand das Ganze interessant und will jetzt mit jemandem persönlich sprechen. Leider werde ich nicht da sein, um das zu machen, aber unsere National Directorin macht das schon.

... wobei "leider" es nicht ganz trifft. Der Grund ist nämlich ein sehr schöner: Wir fahren auf VBT! (Das bedeutet Vorbereitungstagung und dass wir sechs Tage lang zu viert 17 Schüler auf zehn Monate im Ausland vorbereiten.) Ich freu mich schon darauf! Wir werden dort kein Internet haben, also macht euch keine Sorgen, wenn ihr nichts von mir hört. Am Montag melde ich mich wieder mit viiielen Fotos. Bis dann!

Kathi

P.S. Bonusfrage: Wofür zum Teufel ist dieser Parkverbotsplatz da?


Montag, 23. April 2012

Ein Stammtisch, ein Kaffee, noch ein Seminar und viele Umarmungen

Die Woche war doch auch mal ziemlich nett. Im Klavierunterricht habe ich mit dem Pedal angefangen, vom Chor aus hatten wir ein Konzert und von YFU ein Treffen und ein Seminar und beim Stammtisch war ich auch noch.

Aber der Reihe nach: Zum Stammtisch am Donnerstag wollte ich eigentlich erst gar nicht gehen (ihr wisst ja, wie ich Bars liebe, vor allem solche ohne Rauchverbot), aber dann hatten wir nicht genug Teilnehmer fürs Seminar und Gastfamilien sowieso noch nicht, also dachte ich, ich gehe mal hin und mache Werbung. Und das habe ich auch ziemlich effizient hin bekommen -- fragt die beiden YFUler, die dabei waren. Wir haben eine halbe Sprachkursfamilie und anderthalb Colored-Glasses-Teamer gefunden.

Am Freitag war dann unser (etwas spätes) Osterkonzert vom Chor aus. Ich habe nicht mitgesungen (gell, sie haben ja kein Kleid für mich), aber jede Menge Videos gemacht (die ich euch nicht zeigen darf), und danach dem Oktett "OctaVoice" zugehört, die Pop-A-Cappella gesungen haben. Ziemlich beeindruckend. Genau wie die anschließende Kakaphonie an bulgarischen Stimmen, mit Jargon und Singen und klirrendem Besteck und Kopfschmerzen vermischt... es war ziemlich frustrierend. (Wir sind essen gegangen.) Ich hab echt praktisch nichts verstanden.

Am nächsten Tag war es dann auch erst etwas frustrierend, dass zu meinem geplanten YFU-Event (Free Hugs, dann Starbucks) erst mal niemand kam -- nur der Regen. Später waren aber wenigstens meine beiden Kollegen und eine Colored-Glasses-Teamerin noch da und wir haben einen Kaffee getrunken (bzw. heiße Schokolade, Cappucino, was auch immer) und gequatscht und Fotos gemacht, à la, "Tut mal so, als ob ihr Spaß habt."



Anschließend habe ich noch richtig geniale Tasche von Zona Urbana abgeholt (danke an meine Oma für das Geld dafür) und wir sind ums NDK spazieren gegangen, waren bei KFC und... na ja, das war's. Sehr cool. Hat Spaß gemacht. Ihr seid toll!

Am Sonntag musste ich früh aufstehen: Um 9 Uhr fing unser aktuellstes Colored-Glasses-Seminar an. Leider hatten wir nur fünf Teilnehmer, aber es war trotzdem sehr schön; eine super Arbeitsatmosphäre und viel Spaß hatten wir.



Statt um 18 Uhr waren wir schon um 17 Uhr fertig und wir beschlossen spontan, noch Free Hugs zu verteilen. Wir sind bestimmt 6 km gelaufen, aber das war es mehr als wert. Ich glaube, ich habe in vier Stunden mehr Leute umarmt als in den letzten vier Monaten. Das sollte ich wirklich mal öfter machen.


Das schönste Erlebnis war, wie eine von uns (wir haben unterwegs zwei Zehntklässlerinnen getroffen und sie einfach mitgenommen) einen grimmig dreinschauenden Sicherheitsmann umarmt hat und er so richtig gelächelt hat. Made my day.

Überhaupt war das Wetter schön, die Leute glücklich, alle gesund und zufrieden -- der perfekte Abend. Wenn man mal von den verrückten Skinheads absieht, die uns auf dem Rückweg angepöbelt haben. Aber davon lassen wir uns nicht die Laune verderben.


Alles Liebe,
Kathi

Montag, 16. April 2012

Христос воскресе!

"Christ ist erstanden!"

An diesem Sonntag war Ostern und ich hatte ein langes Wochenende, so wie alle Bulgaren, die nicht gerade Ärzte oder Feuerwehrmänner oder so etwas sind.

Die freie Zeit wusste ich auch zu nutzen: Am Freitag war ich z. B. in insgesamt sieben verschiedenen Kirchen. Morgens bin ich mit einer Freundin zur 9-Uhr-Messe in der Alexander-Nevski-Kathedrale gegangen; weil es aber niemanden interessiert, ob du dabei bleibst oder nicht (und man die ganze Zeit stehen muss), sind wir nach 45 Minuten wieder gegangen und haben uns kurz die jeweiligen Gottesdienste in Sveta Sofia und Sveta Nedelja angesehen. Als wir in letzterer Kirche waren, war der Gottesdienst schon fast zu Ende und danach konnte man unter so einer Art Tisch durch kriechen (das symbolisiert wohl die Erlösung oder Abwaschung der Sünden oder so), nachdem man einen Weihrauchsetzling bekommen, ein paar Münzen in die Kollektekiste gesteckt, das Kreuz geküsst, die Bibel berührt, und sich bekreuzigt hat. Ja, es war kompliziert, aber wir haben vorher beobachtet, was die anderen gemacht haben. Fun Fact: Orthodoxe bekreuzigen sich umgekehrt, d. h. von rechts nach links. Die Erklärung für den Fun Fact von letzter Woche findet ihr übrigens bei Wikipedia.

Anschließend waren wir noch in der großen katholischen Kirche, wo es übrigens Gottesdienste auf Polnisch, Bulgarisch und Latein gibt. Ich glaube, ich gehe mal zu so einer lateinischen Messe. Das wäre bestimmt interessant. Dann kamen wir noch an einer rumänisch-orthodoxen Kirche vorbei und sind da kurz reingegangen. Es war wie eine bulgarisch-orthodoxe Kirche, mit mehr Lichtern und Teppichen und weniger Platz.

Dann habe ich mir im Einkaufszentrum zwei Jeans gekauft und bin zum anglikanischen Gottesdienst gegangen. Es war ganz interessant, obwohl nur so zehn Leute da waren. Und ich "durfte" etwas aus dem Neuen Testament lesen. Sie haben mich für Samstagabend/Sonntagmorgen wieder eingeladen, aber das habe ich beides verpennt. Na ja. Ich denke, ich gehe in Zukunft vielleicht lieber zu den Katholiken (die haben da sonntags erst um 11 Uhr einen Gottesdienst, da kann ich länger schlafen).

Und Samstag bin ich mit der gleichen Freundin in die Kinderoper gegangen! Sie haben "Die Zauberflöte" gespielt. Es war auf eine Stunde gekürzt und auf Bulgarisch übersetzt. Das Ergebnis war leicht verwirrend und führte bei mir öfters zu diesem Gesichtsausdruck, aber ich schätze, um Kinder an das Medium "Oper" heranzuführen, ist es gerade das Richtige.

Und dann hat es gehagelt.


Tja, April, April, der macht, was er will...

Auf dem Weg nach Hause wurde ich noch richtig schön nass bis auf die Haut, und da das Wetter auch nicht besser wurde und ich müde war, beschloss ich, einen Gammel-Nachmittag einzulegen, mit Bettdecke auf der Couch, mehr oder weniger legalen Aufnahmen von Sitcoms online und Schokolade. Das muss auch mal sein. Und deswegen habe ich auch den Samstagabendgottesdienst verpasst.

Abends war dann aber wieder soziale Interaktion an der Reihe: Mit unserem mexikanischen Freiwilligen habe ich gekocht, bzw. mexikanisches Fleisch aufgewärmt, und er hat Bohnen püriert und Tortillas gemacht, während ich Kuchen für die Kirche gebacken habe. (Oh je, ich verwandele mich in eine US-amerikanische Vorstadthausfrau.) Die Tacos waren sehr lecker -- und authentisch! Dann haben wir noch Eier gefärbt, mit variierenden Ergebnissen (hier möchte ich meinen Eltern für das Färbeset danken, das sie mir bei ihrem Besuch mitgebracht haben). Und wir haben keine Fotos gemacht! Tut mir Leid.

Jetzt zum Höhepunkt des Wochenendes (und des Kirchenjahres):


 Die orthodoxe Mitternachtsmesse. Wir waren in der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit; eine (bulgarische) Freundin von mir hatte da früher den Chor dirigiert und besucht die jetzt jedes Jahr an Ostern. Erst standen wir auf dem Dach, aber anscheinend bringt das furchtbares Unglück und wir mussten ganz schnell runter und uns hinter dem Chor verstecken. Der Chef der Kirche da (Priester? Bischof? Keine Ahnung.) hat so eine Frau und ihre Tochter richtig fertig gemacht, weil sie da nicht stehen konnten -- das durften nur die Leute aus dem Chor. Das Stichwort für Schuldgefühle auf meiner Seite. Aber ich glaube, die Freundin von mir hat dafür am Ende keinen Ärger bekommen, und wir wurden als "Gäste" des Chors bezeichnet. Yay.

Nachdem alle Kerzen entzündet und die Gemeinde in die Kirche geführt wurde, hatte der Chor eine halbe Stunde Pause und es gab viele "Christ ist erstanden!", ein Büffet (Potluck) und Eierkämpfe. Ich hab verloren. Aber hey, dafür gab es jede Menge Süßkram zu essen!


Dann folgten weitere zwei Stunden Liturgie. Leider habe ich fast gar nichts verstanden -- Bulgarisch ist ja eine Sache, aber Altkirchenslawisch? No way. Davon abgesehen wäre es auch mit Bulgarisch als Muttersprache nicht viel interessanter gewesen. Mein Eindruck von der bulgarisch-orthodoxen Kirche ist sowieso, dass die Gottesdienste sehr viel passiver sind (also was die Beteiligung der Gemeinde angeht) als z. B. die evangelischen oder katholischen. Und die sind wiederum nichts im Vergleich zu einigen US-amerikanischen Freikirchen. Wir waren also erst unten in der Kirche, dann draußen vor der Kirche, dann wieder oben auf der Empore, und gegen 2 Uhr morgens war es dann vorbei. Ich bin aber trotzdem erst um 5 oder 6 Uhr ins Bett gegangen. Und deswegen habe ich auch den Sonntagmorgengottesdienst verpasst. UND den Sonntagnachmittagsgottesdienst der Nazarener um 14 Uhr. Ähh. Na ja.


Kathi

Montag, 9. April 2012

Diese Woche: Seminar light

Eigentlich war gar nicht so viel los – na gut, am Donnerstag habe ich bei einem Konzert meiner Musikschule gespielt, zum Beispiel. Das sah in etwa so aus:



Es war eigentlich ganz witzig; zuerst haben so kleine Fünfjährige gespielt, meist mit zwei Händen, aber nicht gleichzeitig, das war sehr süß. Ein paar von den Liedern habe ich auch aus meinem ersten Unterrichtsmonat erkannt. Ziemlich cool. Solche Stücke selbst bei einem Konzert vorzuspielen wäre mir aber schon ein bisschen peinlich gewesen. – Ich habe als vorletzte gespielt, zwischen einem Jungen mit Yirumas River Flows in You und einem Mädel mit dem Pinken Panther und Für Elise (und sie spielt gerade mal zwei Monate länger als ich). Ich habe das Menuett in G für Anna-Magdalena Bach gespielt, zwei Deutsche Tänze von Händel und so eine Irische Volksweise aus meinem Übungsbuch. Meiner Meinung lief es ganz gut, aber ich weiß gar nicht mehr genau, wie es eigentlich war. In ein oder zwei Wochen bekommt ihr vielleicht das Video zu sehen (ein Vater hat gefilmt). Jetzt habe ich erst mal eine Woche Klavierpause, weil hier Osterferien sind (fun fact: In der bulgarisch-orthodoxen Kirche wird Ostern meist an einem anderen Sonntag gefeiert als in der katholischen oder evangelischen... aber fragt mich nicht, warum). Danach versuche ich mal, meine Klavierlehrerin zum Türkischen Marsch zu überreden (hey, wenn eine sechsjährige Asiatin das kann, warum dann nicht ich?)

Die ganze Woche über war ich mit der Vorbereitung des Seminars beschäftigt. Deshalb war der Samstag an sich eher antiklimatisch, trotzdem aber sehr erfolgreich. Wir hatten statt der erwarteten acht nur sechs Teilnehmer – eine war krank und einer hatte verschlafen – , also war es eher eine kleine Runde, aber trotzdem, oder gerade deswegen, sehr nett. Zur Abwechslung hatten wir mal Teilnehmer, die sich wirklich für das Thema interessiert haben, und dementsprechend auch schneller auf Begriffe wie „Vorurteile“ und „Stereotype“ gekommen sind.



Am Sonntag, als ihr mit eurer Familie in der Kirche wart, Ostereier gesucht und den Lammbraten gefuttert habt, war hier „nur“ Palmsonntag. Das ist aber trotzdem ein sehr wichtiger Tag hier: Alle Menschen, die einen Blumennamen tragen, haben Namenstag. Ich habe aber nur zu Hause herum gegammelt...

Und so viel dann zu dieser Woche! Bis demnächst!

Kathi

Montag, 2. April 2012

Ein Geburtstag, ein Besuch und viel Regen

Weil ich keine Lust habe, mich für den verspäteten Post zu entschuldigen, kommt hier stattdessen ein Foto von einem Baby-Faultier:


Und jetzt berichte ich euch endlich von meiner letzten Woche:

Am Mittwoch hatte ich Geburtstag und habe erst mal einen Workshop mit einer neunten Klasse gemacht. Es lief ziemlich gut, vor allem für das Alter, obwohl die andere Hälfte der Klasse wohl nicht so gut Deutsch konnte. Danach sind wir wieder ins Büro gefahren, es gab Kekse und Milch und eine DVD und Besprechungen wegen der anstehenden Teamerschulung. Abends war ich noch beim Chor und habe Pralinen verteilt und zwei Mädels haben mir auf Deutsch „Zum Geburtstag viel Glück“ gesungen. Abends hat meine Mitbewohnerin mir noch eine Packung Cognac-Pralinen geschenkt (ähh) und das war's auch schon! Keine Sorge, am Sonntag feiere ich noch mit ein paar Freunden; wir gehen essen.

Und Donnerstag ist dann meine Familie angekommen! Wir sind mit dem Bus zum Hostel gefahren, waren essen, sind am nächsten Tag im strömenden Regen bei der Free Sofia Tour mitgelaufen, waren bei unserem traditionellen freitäglichen Mittagessen im Büro, haben uns meine Wohnung angeguckt, waren wieder essen, waren im TZUM, in den Zentralen Markthallen und auf dem Frauenmarkt, wo wir jede Menge bulgarische Backwaren verputzt haben. Zwischendurch war ich noch auf einem YFU-Treffen, wegen des Budgets und so. Wenn ihr übrigens meine Nachfolger werden wollt, sagt einfach Bescheid.

Sonntag wollten wir eigentlich auf den Vitosha und dort herumwandern, aber es hat geregnet und die Straßenbahn wurde repariert und fuhr nicht und ich wusste nicht, wie wir sonst dort hin kommen können... also haben wir UNO gespielt, waren im Archäologischen Museum und dann im Serdika-Center zum Shoppen (hey, es hat ein Dach). Dann haben wir noch ein bisschen bei mir zu Hause gechillt und sind wieder mal essen gegangen. Montag waren wir morgens noch kurz in den Markthallen, um Banitsa und Sirene zu kaufen, und haben die Metro genommen – leider fuhr der geplante Anschlussbus nur morgens, vor 9 Uhr, also waren wir noch ein bisschen verloren. Aber das gehört ja auch dazu!

Ansonsten war ich beschäftigt mit der Schulungsplanung: Vorbesprechungen, Einkäufe, Materialsuche, etc. pp.

Sonst noch Fragen? Das war's aber eigentlich auch schon von mir? Ach ja, hier noch das obligatorische Foto:


Viele Grüße,
Kathi