Montag, 26. Dezember 2011

Весела Коледа!

Hier also endlich mein Bericht über mein Weihnachtsfest. Entschuldigt die Verspätung; ich war irgendwie eher in Gammel-Weihnachtsstimmung und konnte mich noch nicht dazu aufraffen, einen ganzen Blogpost zu schreiben.

Die Besonderlichkeit fing eigentlich schon am 23. Dezember an, als die beiden Freiwilligen D. und T. aus der Türkei kamen (eigentlich sind sie Deutsche, die ein halbes Jahr lang mit weltwärts in der Türkei sind). Wir wollten zusammen auf den bereits erwähnten Sofioter Weihnachtsmarkt, um eine Bratwurst zu essen und Glühwein zu trinken (Günaaah!), aber der hatte schon zu -- für immer. Der 22. Dezember war der letzte Weihnachtsmarkt-Tag. Ziemlich merkwürdig und nicht gerade gut fürs Geschäft, aber uns egal: Vor dem Theater gibt es einen anderen, deutlich kleineren Weihnachtsmarkt, der vom 15. Dezember bis 10. Januar auf hat, und wo es auf Bratwurst, Glühwein und Crêpes gab. Yay! Anschließend gab es noch ein Jahresabschlusskaffeetrinken mit YFU Bulgarien, eine Klavierstunde (von Donnerstag verschoben, weil keine Ahnung) und abends Bringdienstessen. Es sollte erwähnt werden, dass D. und T. bei K., dem Freund meines Arbeitskollegen, übernachtet haben, der uns in allen bulgarischen Traditions- und Sprachfragen beraten hat und ein toller Gastgeber war und überhaupt -- und dass seine Wohnung auch der zentrale Punkt unserer Weihnachtsunternehmungen war. Also Pizza bei K.

Samstag war auch schon Heiligabend! Nach dem Mittagessen sind wir weihnachtlich einkaufen gefahren -- eigentlich wollten wir ja schön alles selbst kochen, aber am Ende hat die Zeit und Motivation nicht dazu gereicht, also haben wir uns von den Mitarbeitern von Carrefour bekochen lassen -- danke! (Ich benutze sehr viele Gedankenstriche und Klammern, tut mir Leid.) Um 18 Uhr begann der bulgarisch-orthodoxe Gottesdienst in der Alexander-Nevski-Kathedrale. Es war... interessant, muss ich sagen. Weihrauch, Gesänge, Liturgie, Bibellesung, und den Papst (bzw. Patriarchen) haben wir auch gesehen. Anschließend sind wir wieder zu K. nach Hause und haben Kinderpunsch gemacht, nach der Maxime "Alles rein, was irgendwie gut schmecken könnte":


Ich glaube, am Ende war es Traubensaft, Orangensaft, Apfelsaft, Zimt, Nelken, Apfeltee... und bestimmt noch irgend etwas, das ich gerade vergesse.

Und einen Baum hatten wir natürlich auch!


Ich würde sagen, letztendlich war das Ganze ein Hybrid aus bulgarischer und deutscher Weihnachtskultur. Das Essen war eigentlich bulgarisch, aber mit deutschen Weihnachtskeksen (oder -plätzchen), die Milch und Eier und Butter enthielten (Günaaah!!!). Am Heiligabend darf man gemäß der Tradition in Bulgarien nämlich eigentlich nur vegane Speisen servieren. Aber da wir uns -- so wie übrigens auch der Großteil der Bulgarien -- in den 40 Tagen vor Weihnachten ohnehin nicht an das Fastengebot (keine tierischen Produkte, kein Alkohol, kein Sex...) gehalten hatten, ist es meiner Meinung nach sowieso egal.


Wir sind dann noch bis 7 Uhr wach geblieben, haben Spiele gespielt und geredet und gesungen, D. hat mir Akkorde erklärt, T. hat mir ein bisschen Ungarisch beigebracht und wir haben über YFU gequatscht (und festgestellt, dass wir auf jeden Fall mal zusammen teamen müssen -- LG HB, ich komme!!).

Das setzte sich dann noch am nächsten Tag fort, als wir nach ca. 3 h Schlaf eigentlich zu einem Konzert gehen wollte, bei dem es jedoch leider so voll war, dass die Leute schon auf den Gängen standen... wir sind dann zu mir nach Hause gegangen und haben unser eigenes kleines Konzert gehalten (vielen Dank für das Notenbuch, Mama & Papa) und danach noch selbst gekocht. Es gab Nudeln in Käsesahnesoße für D. (in der Türkei gibt es wohl keine so große Käseauswahl wie in Bulgarien oder gar in Deutschland) und банички, кебапчета und кюфтета für T. und K. Danach wurde geputzt -- auf türkische Art! D. und T. sind von ihren Gastmüttern schon zu perfekten Hausfrauen "erzogen" worden. Nochmals vielen Dank an euch zwei! Jetzt ist die Küche keine Schande (das türkische Wort weiß ich nicht mehr) mehr.

Und daaann war ich noch zum Weihnachtsessen eingeladen. Was für ein Wochenende! R., ihre Schwester und ihre Mutter haben mich ganz nett in ihr Zuhause aufgenommen und waren tolle Gastgeber. Es gab Fotos, (deutsches) Fernsehen, Geschenke, Truthahn und Sauerkohl (ich weiß nicht, wie das richtig heißt -- es ist wie Sauerkraut, nur nicht so fein geschnitten, und ich mochte es gar nicht, aber sagt R.s Mutter das nicht).

Insgesamt also wundertolle Weihnachten mit netten Menschen, viel Spaß und Abwechslung, interessanten Unterhaltungen, vielen neuen Erfahrungen und -- Geschenken!


(Ich glaube, es ist nicht alles drauf, entschuldigt.)

Ich wünsche euch allen ein frohes Fest gehabt zu haben und einen guten Rutsch ins neue Jahr (aber, wie immer, rutscht nicht aus)!

Kathi

Montag, 19. Dezember 2011

Noch 5 Tage bis Weihnachten!

Nur noch 5 Tage bis Weihnachten! Ich freu mich.

Am Freitag kommen zwei deutsche Freiwillige aus der Türkei nach Sofia, wir zeigen ihnen die Stadt und dann feiere ich Weihnachten mit ihnen. In Bulgarien ist das Abendessen am 24. Dezember vegan und es muss eine ungerade Anzahl an Speisen geben. Typisch sind z. B. gefüllte Paprika, Pide und Баница mit kleinen Zetteln, auf denen gute Wünsche für das nächste Jahr stehen. Weder die beiden Mädels noch ich kennen uns mit den Bräuchen aus, aber zum Glück haben wir K., einen echten Bulgaren, der mit uns feiert. (Liebe bulgarische Leser, bitte korrigiert mich, wenn ich was Falsches geschrieben habe.)

Letzte Woche habe ich mich für ein Medizinstudium beworben, jede Menge Geschenke nach Deutschland geschickt (bzw. durch meine Chefin I. überbringen lassen), und dafür jede Menge Geschenke aus Deutschland bekommen. Außerdem war am Dienstag das Konzert "meines" Chores - leider ohne mich, weil sie kein Kleid für mich haben.

Und am Wochenende war Arbeiten angesagt: Erst mal habe ich am Freitag jede Menge Kekse gebacken (dieses Rezept in vierfacher Ausführung), weil YFU Bulgarien am Samstag einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt hatte. Ich habe ihn von 11 bis 17 Uhr mit jeder Menge YFU-Austauschschülerinnen betreut (aus dem Entsendeprogramm nach Deutschland, USA, Finnland, und aus dem Aufnahmeprogramm aus Deutschland und Estland). Meine Kekse haben mehr Aufmerksamkeit bekommen als das Programm, aber mir hat's total Spaß gemacht und ich denke, wir haben wirklich ein paar Menschen erreicht. Ich bin mal gespannt, wie viele sich bis Bewerbungsschluss (23. Dezember) bewerben.

Viele Grüße und frohe Weihnachten!
Kathi

Montag, 12. Dezember 2011

The City of Guns'n'Roses

Wie gesagt hatten wir alle auf dem On-Arrival Training im November so viel Spaß zusammen, dass wir uns für ein weiteres Treffen im Dezember entschieden haben, genauer gesagt am 10. und 11. Dezember in Kazanlak. Weil auf dem Seminar auf mal das Thema Trampen aufkam, hat einer der Freiwilligen The Ultimate Sofia - Kazanlak Hitch-Hiking Challenge organisiert. An diesem Wochenende bin ich also zum ersten Mal in meinem Leben per Anhalter gefahren, und es war toll.

Die zehn Freiwilligen aus Sofia haben sich am Vormittag (ausgemacht war 10:30 Uhr, es wurde dann aber eher 11:30 Uhr... Künstler eben) an der Alexander-Nevski-Kathedrale getroffen und sich in Gruppen aufgeteilt; zu zehnt ist es etwas schwierig, ein Auto anzuhalten. Ich habe mich mit O., einem Freiwilligen aus der Türkei, der jetzt in einem Kulturzentrum in Kjustendil arbeitet, auf den Weg in den Osten der Stadt gemacht. Es hat etwa 45 Minuten gedauert, bis endlich ein Auto angehalten hat, aber es war ein sehr netter Mensch darin, R. Es stellte sich heraus, dass R. nicht so ganz in unsere Richtung unterwegs war, also hat er uns einfach mal 8 km zu der anderen Straße gefahren -- und dann noch mal 10 km zu dem nächsten Dorf, weil das eine bessere Stelle war. Er sagte, er sei auch mal per "avtostop" von Flensburg nach Kassel gefahren. Merke: Tramper müssen zusammenhalten!


Hitch-Hiking Like A Boss

In Dolno Kamartsi mussten wir gerade ein Mal eine Viertelstunde warten, bis ein älterer Herr, B., angehalten hat. Er kam aus Sofia und war unterwegs nach Karlovo (ca. 60 km vor Kazanlak) zu einer Geburtstagsfeier und hat sich unterwegs mit uns über die aktuelle Europapolitik unterhalten und uns angeboten, uns am nächsten Tag wieder mit zurückzunehmen. Toll, was man so für Leute trifft! In Karlovo hat er uns an einer Tankstelle abgesetzt...


Die Berge vor Karlovo und unsere Schatten

... und uns dort auch gleich eine Mitfahrgelegenheit nach Kazanlak verschafft: Ein Pärchen war gerade am Tanken und er hat sie gefragt, wie weit es ist, woraufhin sie gleich gesagt haben, wir könnten mitkommen. In Kazanlak gibt es am Ortseingang einen Kaufland, wo wir unsere Reise kurz für eine "Grillwurst" unterbrachen:



Sagt O.s Gott nicht, dass er ein unreines Tier gegessen hat


Nun mussten wir auch noch zu der Wohnung der beiden Freiwilligen kommen, die uns eingeladen hatten. Praktischerweise lag die am anderen Ende der Stadt. Wir beschlossen, erst mal herauszufinden, wie weit es denn genau war, und dann ein Taxi oder den Bus zu nehmen oder auch zu laufen. Der Mann, den wir fragten, sagte, er sei auch gerade dorthin unterwegs und er könne uns mitnehmen...

"Wir sind die allergrößten Glücksschweine der Welt, weißt du das?" (Titanic)

So kamen wir also von Sofia nach Kazanlak für gerade ein Mal einen Lev für O. und 80 Stotinki für mich (ich habe ein Zehnerticket für die Straßenbahn).

Auf der Feier wurde dann ordentlich gegessen, getrunken, getanzt, wie man das eben so macht.


Alle mit der Hand im Gesicht

Außerdem haben wir natürlich die Wichtelgeschenke verteilt. Jeder bekam ein Päckchen von seinem Geheimwichtel und eine Umarmung vom Weihnachtsmann.

B. konnte uns am nächsten Tag leider nicht mehr mitnehmen, weil wir zu lange geschlafen haben... aber so konnten wir viele andere tolle Menschen treffen! Eine Freundin von O. aus Kjustendil ist auch mitgekommen. Erst hatten wir drei Autos direkt nacheinander, die uns insgesamt nur so 40 km weit gefahren haben...


In Dunavtsi nach Auto Nr. 2

... aber dann hat uns ein Sofioter in einem roten Mazda, D., den ganzen Weg zurück gefahren.


Kalofer, wo wir D. getroffen haben

Es gab aber noch einen kleinen Umweg durch den Trojan-Pass. Wir sind mitten durch die Berge gefahren; es war einfach unglaublich. Den ganzen Tag hatten wir über die Landschaft und die Natur gesprochen, und dann waren wir auf einmal mittendrin!


Schöne Panorama-Fotos gibt es leider nicht, aber glaubt mir, es war wahnsinnig


Gegen 19 Uhr waren wir dann wieder in Sofia, D. hat mich vor dem Serdika-Center abgesetzt und es waren dann nur noch fünf Minuten Fußweg bis nach Hause.

Was ich aus dem Wochenende mitnehme?

1. Per Anhalter fahren ist toll und ich muss es definitiv noch mal machen.
2. Bulgarien ist ein wunderschönes Land.
3. Es ist nötig, Wechselkleidung zu einer Party mit Übernachtung zu nehmen, weil das sonst auch niemand tut.
4. Bulgaren sind wunderbar hilfsbereit und gastfreundlich.
5. Die Welt ist bunt!

Eure Kathi

Montag, 5. Dezember 2011

Es weihnachtet... ein wenig

Obwohl es sich noch nicht so anfühlt, ist bald Weihnachten, und auch in Bulgarien bereiten sich die Menschen darauf vor: Es gibt weihnachtliche Süßigkeiten (allesamt deutsche Importe...) und Weihnachtsbaumkugeln in den Supermärkten, die Straßenlaternen sind mit Lametta umwickelt, und im Park steht ein riesiger beleuchteter Metalltannenbaum. Und kaum zu glauben, aber wahr: In Sofia gibt es tatsächlich einen deutschen Weihnachtsmarkt. Nach der ersten Begutachtung muss ich aber feststellen, dass er sich kaum mit den "richtigen" deutschen Weihnachtsmärkten messen kann. Ich meine, okay, es gibt Glühwein und Bratwurst und Weihnachtsdekoration, aber es ist eine stark vereinfachte Version eines Weihnachtsmarktes. Es gibt keine Schmalzkuchen, soweit ich das bisher gesehen habe (und jetzt alle: aaarme Kathi!) und die Buden sehen alle gleich aus.

Ich selbst habe auch schon ein paar Geschenke gekauft (meine Chefin fährt am Donnerstag nach Deutschland, um ihre Eltern zu besuchen, und nimmt meine Sachen mit), ansonsten aber noch nichts vorbereitet. Meine Mitbewohnerin hat einen Teelichthalter aufgestellt, aber ansonsten ist die Wohnung undekoriert und ich bin, ehrlich gesagt, ein bisschen zu geizig, um großartig Dekokram zu kaufen.

Wie auch immer! Mein Bulgarisch wird so langsam wirklich gut! Eine Freundin von mir, die ich über NaNoWriMo kennen gelernt habe, spricht inzwischen nur noch Bulgarisch mit mir, und das ist total hilfreich. Eine normale Unterhaltung kann ich immer noch nicht führen, höchstens, wenn ihr seeehr langsam sprecht und einfache Wörter verwendet. Aber es läuft.

Auf der Arbeit machen wir zur Zeit viele Präsentationen an Schulen, um unser Programm vorzustellen. Diese Woche war ich schon an Schulen in Sofia, Plovdiv und Varna; am Mittwoch fahren wir nach Pazardzhik. Viel von den Städten sehe ich dann zwar nicht wirklich, aber dazu habe ich ja noch Zeit. Im März fahren wir wieder nach Varna, und im Sommer möchte ich auch noch mal hin - schließlich bezahlen andere Deutsche viel Geld dafür, und ich kann's praktisch für umsonst haben (wenn ich per Anhalter fahre und bei anderen Freiwilligen wohne).


Varna bei Nacht (bzw. um 17 Uhr)

Apropos andere Freiwillige: Am Samstag treffen wir alle (d. h. die EVSler vom Seminar im November) uns in Kazanlak und wichteln! Das wird toll, ich freue mich schon drauf.

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal,
Kathi