Montag, 3. Oktober 2011

Bettwanzen, Klavierstunden und keine Gastfamilie

Hallo ihr "in jeder Hinsicht Zurückgebliebenen" *,

eine weitere Woche in Bulgarien ist vergangen und wieder mal gibt es einiges zu berichten.

Erst mal eine schlechte Nachricht: Am Wochenende muss ich ja bekannterweise aus dieser Wohnung ausziehen, weil E. aus Deutschland wiederkommt und ihr Bett wieder haben will. Dann soll ich bei einer Gastfamilie wohnen... leider habe ich aber noch keine Ahnung, wer das sein wird. Letzte Woche hatte I. eine Interessentin; deren Mann ist jetzt aber anscheinend dagegen und somit stehen wir wieder ganz am Anfang. Allerdings gibt es in Botewgrad wohl eine recht große YFU-Community (ähnlich wie in Michigan in den USA) und da versucht I. jetzt, eine Familie zu finden. Die Stadt liegt zwar 60 km von Sofia entfernt, aber es pendeln viele Leute jeden Tag dorthin, dann sollte das für mich ja auch kein Problem sein. Es ist immer noch besser als gar keine Familie, finde ich.

Andererseits gibt es eine sehr gute Nachricht: Ich nehme jetzt Klavierstunden! Überall in Bulgarien gibt es sog. читалища, die u. a. die Funktion eines Gemeindezentrums, einer Volkshochschule und eines Kinos erfüllen können. In einer solchen Einrichtung habe ich jetzt jeden Donnerstag 45 Minuten Einzelunterricht am Klavier. Letzte Woche war meine erste Stunde und es ist einfach toll. Die Lehrerin und ich haben zwar leichte Verständigungsprobleme - ich kann fast kein Bulgarisch und sie nur unwesentlich mehr Deutsch - , aber es klappt und heute durfte ich schon zweihändig spielen (wir haben die Stunde vorgezogen, weil ich am Donnerstag in arbeitsbedingt in Plovdiv bin). Und heute Abend habe ich mir ein echtes Digitalpiano gekauft. Es ist zwar nicht das Feinste vom Feinsten, aber inkl. Ständer hat es umgerechnet nur 608,47 € gekostet und zum Üben für das eine Jahr sollte es reichen.

So sieht es aus 

Mit meinem Bulgarisch geht's auch voran: Wenn ich auf der Arbeit nicht besseres zu tun habe, lerne ich mit meinem PONS-Sprachkurs und einem alten Bulgarischbuch aus Zeiten des Kommunismus, in dem sich alle mit "Genosse" und "Genossin" ansprechen. Ziemlich amüsant... Die Grammatik wird dadurch aber leider auch nicht einfacher. Diese ganzen Wortanhängsel machen mich noch verrückt! Aber mein Alltagsbulgarisch wird dafür schon von allein besser; ich kann z. B. in einem Laden etwas kaufen oder in einem Restaurant etwas bestellen (wenn dann die Frage "Für hier oder zum mitnehmen?" kommt, bin ich allerdings überfordert).

Auch wenn ich noch nicht richtig Bulgarisch kann, knüpfe ich Kontakte: Am Donnerstag war ich zum Beispiel bei einem "Stammtisch". Der findet wöchentlich an verschiedenen Orten in Sofia statt und es sind alle eingeladen, die gerne Deutsch sprechen - deutsche Geschäftsleute, Bulgaren, die in Deutschland studiert haben, Freiwillige wie ich... da habe ich jede Menge Infos bekommen, z. B. dass hier jeden Sonntag eine zweistündige Fahrradtour durch Sofia für alle Interessierten statt findet, oder dass engagierte Studenten zwei Mal täglich kostenlose englischsprachige Stadtführungen anbieten... wow! Beides habe ich zwar noch nicht gemacht, habe es aber auf jeden Fall noch vor.

Zu tun gibt es aber auch sonst reichlich: Morgen gehe ich zu einer Kulturmittlerkonferenz bei der Deutschen Botschaft und dann abends zu einem Empfang anlässlich des Tags der Deutschen Einheit. Das Essen soll sehr gut sein... ich bin gespannt.

Am Sonntag habe ich mit W., einer kulturweitlerin aus Berlin, die Innenstadt von Sofia erkundet, bzw. sie mir zeigen lassen. Jetzt kenne ich mich schon mal deutlich besser in Sofia aus. Wir waren u. a. in den Zentralen Markthallen, auf dem Witoscha-Boulevard, einer ziemlich großen Einkaufsstraße, und in zwei Second-Hand-Läden. Mein Koffer wäre jetzt schon mal deutlich schwerer...


So sehen die Zentralen Markthallen aus 

Was die Läden angeht, ist es hier schon ziemlich anders. Bei uns gibt es ja vor allem Ketten - nicht nur bei den Supermärkten, sondern auch bei Buchhandlungen, Schnellrestaurants und Baumärkten. Hier sind die meisten Geschäfte "Einzelgänger", obwohl es natürlich auch McDonald's, IKEA, Starbucks, dm und sogar Praktiker gibt. Manche Läden sind im Souterrain eines Wohnhauses untergebracht und wenn man etwas kaufen will, kniet man sich vor das kleine Fenster. Die nennen sich "Kleck-Läden", vom bulgarischen Wort für "sich hinhocken".

Apropos Dinge, die in Bulgarien anders sind: Bettwanzen. Okay, vielleicht ist das auch keine bulgarische Sache (von meinen Kollegen hatte das noch keiner), aber im Bett meiner Mitbewohnerin leben jedenfalls welche. Sie ist ganz zerstochen, und man kann die Tierchen sogar sehen... iih! jetzt versucht sie, eine Firma zu erreichen, die sich darum kümmert, aber so einfach scheint das gar nicht zu sein. Ich selbst habe auch ein paar Stiche, aber unter meiner Matratze konnten wir keine Wanzen finden. Vielleicht sind es auch Mücken.

Was für ein Schlusswort für diesen Beitrag! Sonst fällt mir nämlich gerade nichts mehr ein, mehr gibt's dann nächste Woche von mir. 

До скоро!
Kathi

* © Ulrich Zahlten, Mitbegründer und Ehrenvorsitzender von YFU Deutschland. Er zieht sich jetzt aus dem YFU-Leben zurück, wie ich heute gehört habe... Immerhin ist er schon 75 oder so.

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