Montag, 31. Oktober 2011

Ein Seminar und eine Wohnung!

Wie euch vielleicht aufgefallen ist, habe ich letzte Woche nichts geschrieben. Aber no news is good news, im Osten nichts Neues, usw. Viel Aufregendes ist wirklich nicht passiert.

Dafür aber diese Woche! Am Wochenende hatten wir die Colored-Glasses-Schulung und die musste ich vorbereiten, d. h. vor allem viele E-Mails schreiben. Am Freitag ging's dann los nach Stara Zagora und dann nach Starazagorski Mineralni Bani, einem Mini-Ort mit Thermalquelle, viel Wald und Hotels, aber nur zwei winzigen Läden. Wir waren ja sowieso nicht zum Spaß da, sondern zum Lernen: Wie teame ich einen Workshop und worum geht's da eigentlich genau? Die Teilnehmer waren in diesem Jahr sehr jung, zwei Drittel waren 16 bzw. 17. Ich habe mich richtig alt gefühlt... wie ungewohnt. Es war aber richtig schön, zu sehen, wie der YFU-Spirit auch in einem bulgarischen Hotel mit Nichtaustauschschülern genau so gut aufkommen kann wie bei einer VBT in Lauenburg: Wir haben Werwolf gespielt, gesungen und jede Menge gegessen. Energizer und gruppendynamische Übungen gab's natürlich auch. Einfach klasse.

Und jetzt zu meiner Wohnung! Ich habe jetzt eine!! Sie ist in der ul. Rusalka (ihr könnt ja mal bei Google Maps schauen) und die genaue Adresse weiß ich am Mittwoch, wenn wir den Vertrag unterzeichnen. Meine Mitbewohnerin M. (schon wieder M.) ist Bulgarin, kann aber Englisch und Französisch. Sie hat International Relations studiert und arbeitet jetzt für ein Jahr bei einer Firma in Sofia, bevor sie zum Aufbaustudium nach Frankreich geht. Die Wohnung ist im Parterre, hat eine Terrasse und einen "Garten" (mit Sperrmüll statt Pflanzen, aber was soll's). Es gibt ein Wohnzimmer mit Fernseher, Klimaanlage und Kamin, ein Bad mit Wanne (!) und zwei süße kleine Schlafzimmer mit Einbauschrank und Leoparden- bzw. Disney-Muster auf den Matratzen. Es gibt Platz für mein Digitalpiano und schöne weiße Wände zum Dekorieren. Ich werde dann wohl im Laufe der Woche oder spätestens am Wochenende umziehen. Ich freu mich so darauf! Die Wohnung ist superschön!

So viel also zu mir... bis nächste Woche und до скоро!
Kathi

Montag, 17. Oktober 2011

Die Dinge kommen so langsam in Gang...

Kaum zu glauben, dass ich schon fast genau einen Monat hier bin und die Dinge gerade so anfangen, ins Rollen zu kommen.

Beispiel Sprachkurs: Seit Wochen versuchen wir, alle Freiwilligen in Sofia zusammen zu kriegen, um den Sprachkurs machen zu können. Jetzt haben sich endlich drei von vier getroffen und heute war unsere erste Stunde. Wir werden insgesamt 100 Unterrichtseinheiten à 40 Minuten haben und davon 9 pro Woche. Bis Weihnachten sollten wir dann damit fertig sein. Heute haben wir nur über das Alphabet und die Aussprache geredet, aber mal sehen, was noch so kommt -- unser Lehrer sagte, der Unterricht würde sehr praxisorientiert werden.

Im Moment kommt es mir aber sowieso vor, als würde ich sprachlich einen "Wachstumsschub" haben. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass ich jetzt bei I. und ihrem Mann wohne und dort viel Bulgarisch höre, z. B. auch in den Nachrichten. Gestern haben wir I.s Schwiegereltern und Schwägerin besucht und dort habe ich auch ziemlich viel verstanden, als sie sich unterhalten haben. Ziemlich cool!

Auf der Arbeit rekrutieren wir gerade Teamer, die in diesem Schuljahr die Colored-Glasses-Workshops durchführen. Bisher haben sich schon 16 verbindlich angemeldet (das ist viel!). In zwei Wochen ist unsere Schulung und ich freue mich schon sehr drauf, die zukünftigen Teamer kennenzulernen und die Workshops mit ihnen durchzugehen. Das Seminar wird auch auf Deutsch sein, d. h. diesmal verstehe ich sogar was.

Ansonsten war die letzte Woche ziemlich normal. Dienstag hatte ich frei und hab mich abends mit den anderen Freiwilligen getroffen, Donnerstag war Klavierunterricht und ein YFU-Volunteer-Evening zum Thema ÖA, und Freitag dann noch mal so ein Abend. Am Wochenende habe ich vor allem gefroren. (Heute Morgen waren es 2 °C, ist das zu glauben?!)

Fröstelnde Grüße aus Sofia,
Kathi

Dienstag, 11. Oktober 2011

Bisherige Umzüge: 2. Noch zu bewältigende Umzüge: ???


Liebe Mitleserinnen und Mitleser,


ich schreibe dies vom Bett von einer der Töchter von I. aus. Zur Zeit wohne ich nämlich bei I. und ihrem Mann D., weil ich immer noch keine Gastfamilie habe, E. aber schon wieder in Bulgarien und in ihrer Wohnung ist. Vielleicht ziehe ich doch in eine WG. Das wäre zwar kulturmäßig nicht so sinnvoll wie eine Gastfamilie, aber immerhin etwas Dauerhaftes.


Am Freitag bin ich also nach der Arbeit mit der Straßenbahn und einem Rucksack fürs Wochenende zu I. nach Hause gefahren. E. kam zwar erst gestern Abend an, aber am Freitag war bei uns der Kammerjäger und hat überall Chemikalien gegen Bettwanzen versprüht und da wollte ich dann nicht so gern schlafen. Meine Mitbewohnerin und ihr Freund waren deshalb das Wochenende über in Melnik. Am Abend sind D. und ich mit seinem kleinen Skoda Fabia zurück zur Wohnung gefahren, haben mein Digitalpiano eingepackt, den Ständer zusammengeklappt, alle meine Sachen in den Koffer geschmissen und alles (!) ins Auto gepackt. Erstaunlich, was alles in einen Kleinwagen passt, wenn man die Rückbank etwas nach vorne kippt...

Bei I. und D. habe ich mich dann gleich häuslich eingerichtet. Es kann wohl etwas dauern, bis ich eine neue Bleibe finde... aber wenn nicht, nimmt es auch nicht zu viel Zeit in Anspruch, alles aus dem Schrank und vom Schreibtisch wieder in den Koffer zu packen. Hier habe ich ein Zimmer im Souterrain, das eigentlich I.s jüngerer Tochter gehört, die gerade in Schottland Archäologie studiert. Es ist nicht luxuriös, aber es hat ein eigenes WC und Waschbecken, eine Bücherwand und - was das Wichtigste ist - es gibt hier eine Katze!


Hier schaut sie etwas genervt drein


Ansonsten ist diese Woche nicht viel Interessantes passiert. Okay, ich war bei einer Kulturmittlerkonferenz und einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Sofia, und dann noch bei einer Infoveranstaltung und noch einem Empfang in Plovdiv, aber ansonsten...


Okay, ich erzähl's euch. Am Mittwoch waren I. als Geschäftsführerin von YFU Bulgarien und ich als Europäische Freiwilligendienstlerin zu einer Kulturmittlerkonferenz eingeladen. Viele Menschen an einem Tisch, Gebäck und gefüllte Croissants und Orangensaft, Diskussionen über das bulgarische Bildungssystem und wie interessant Bulgarien in Deutschland wirkt. Wir konnten ordentlich Werbung für Colored Glasses machen - inzwischen sind es schon 10 feste Teamer und drei unentschlossene, ein Rekord für dieses Stadium der Teamersuche. Um 19 Uhr dann der Empfang. Es gab gutes deutsches Essen (Kartoffelsalat, Spätzle, Bockwürstchen, Brezeln...) und viele schick gekleidete Menschen, die ich nicht kannte. Deshalb war es für meine Mitbewohnerin, ihren Freund und mich nicht so interessant da und wir sind nach knapp zwei Stunden schon gegangen.


Am nächsten Tag hatte I. um 14 Uhr eine Infoveranstaltung über das Studieren in Deutschland. Mich hat sie mitgenommen, um für "Nach dem Abi ein Jahr lang was anderes machen" im Allgemeinen und für den Europäischen Freiwilligendienst im Besonderen zu werben. Außerdem haben wir wieder mal Colored-Glasses-Werbung gemacht. Abends stand dann noch ein Empfang an, wieder mal zum Anlass des Tags der Deutschen Einheit (und das war am 6. Oktober... na ja). Noch besseres Essen und sogar Leute, mit denen ich mich unterhalten konnte. Zitate des Abends: "Sie sehen aber jung aus... wie 14 oder 15" und "Verlieben Sie sich bloß nicht, dann kommen Sie hier nie wieder weg." Danke für den Tipp.


Und heute hat meine Mitbewohnerin M. Geburtstag und hat mich zum Abendessen eingeladen (Schopska Salata, Auflauf, Baklava). Danach nach Hause zu kommen, war auch ein Abenteuer... eigentlich sollen die Straßenbahnen hier bis 23:30 Uhr fahren, aber ich stand um 23 Uhr an der Haltestellen und es kamen alle Straßenbahnen in alle Richtungen - nur nicht die 22 nach Osten. Schließlich habe ich ein Taxi genommen (~ 2 €) und war schließlich um 24 Uhr zu Hause. Na ja, morgen habe ich frei, da kann ich ja dann ausschlafen.


Лека нощ!
Kathi

Montag, 3. Oktober 2011

Bettwanzen, Klavierstunden und keine Gastfamilie

Hallo ihr "in jeder Hinsicht Zurückgebliebenen" *,

eine weitere Woche in Bulgarien ist vergangen und wieder mal gibt es einiges zu berichten.

Erst mal eine schlechte Nachricht: Am Wochenende muss ich ja bekannterweise aus dieser Wohnung ausziehen, weil E. aus Deutschland wiederkommt und ihr Bett wieder haben will. Dann soll ich bei einer Gastfamilie wohnen... leider habe ich aber noch keine Ahnung, wer das sein wird. Letzte Woche hatte I. eine Interessentin; deren Mann ist jetzt aber anscheinend dagegen und somit stehen wir wieder ganz am Anfang. Allerdings gibt es in Botewgrad wohl eine recht große YFU-Community (ähnlich wie in Michigan in den USA) und da versucht I. jetzt, eine Familie zu finden. Die Stadt liegt zwar 60 km von Sofia entfernt, aber es pendeln viele Leute jeden Tag dorthin, dann sollte das für mich ja auch kein Problem sein. Es ist immer noch besser als gar keine Familie, finde ich.

Andererseits gibt es eine sehr gute Nachricht: Ich nehme jetzt Klavierstunden! Überall in Bulgarien gibt es sog. читалища, die u. a. die Funktion eines Gemeindezentrums, einer Volkshochschule und eines Kinos erfüllen können. In einer solchen Einrichtung habe ich jetzt jeden Donnerstag 45 Minuten Einzelunterricht am Klavier. Letzte Woche war meine erste Stunde und es ist einfach toll. Die Lehrerin und ich haben zwar leichte Verständigungsprobleme - ich kann fast kein Bulgarisch und sie nur unwesentlich mehr Deutsch - , aber es klappt und heute durfte ich schon zweihändig spielen (wir haben die Stunde vorgezogen, weil ich am Donnerstag in arbeitsbedingt in Plovdiv bin). Und heute Abend habe ich mir ein echtes Digitalpiano gekauft. Es ist zwar nicht das Feinste vom Feinsten, aber inkl. Ständer hat es umgerechnet nur 608,47 € gekostet und zum Üben für das eine Jahr sollte es reichen.

So sieht es aus 

Mit meinem Bulgarisch geht's auch voran: Wenn ich auf der Arbeit nicht besseres zu tun habe, lerne ich mit meinem PONS-Sprachkurs und einem alten Bulgarischbuch aus Zeiten des Kommunismus, in dem sich alle mit "Genosse" und "Genossin" ansprechen. Ziemlich amüsant... Die Grammatik wird dadurch aber leider auch nicht einfacher. Diese ganzen Wortanhängsel machen mich noch verrückt! Aber mein Alltagsbulgarisch wird dafür schon von allein besser; ich kann z. B. in einem Laden etwas kaufen oder in einem Restaurant etwas bestellen (wenn dann die Frage "Für hier oder zum mitnehmen?" kommt, bin ich allerdings überfordert).

Auch wenn ich noch nicht richtig Bulgarisch kann, knüpfe ich Kontakte: Am Donnerstag war ich zum Beispiel bei einem "Stammtisch". Der findet wöchentlich an verschiedenen Orten in Sofia statt und es sind alle eingeladen, die gerne Deutsch sprechen - deutsche Geschäftsleute, Bulgaren, die in Deutschland studiert haben, Freiwillige wie ich... da habe ich jede Menge Infos bekommen, z. B. dass hier jeden Sonntag eine zweistündige Fahrradtour durch Sofia für alle Interessierten statt findet, oder dass engagierte Studenten zwei Mal täglich kostenlose englischsprachige Stadtführungen anbieten... wow! Beides habe ich zwar noch nicht gemacht, habe es aber auf jeden Fall noch vor.

Zu tun gibt es aber auch sonst reichlich: Morgen gehe ich zu einer Kulturmittlerkonferenz bei der Deutschen Botschaft und dann abends zu einem Empfang anlässlich des Tags der Deutschen Einheit. Das Essen soll sehr gut sein... ich bin gespannt.

Am Sonntag habe ich mit W., einer kulturweitlerin aus Berlin, die Innenstadt von Sofia erkundet, bzw. sie mir zeigen lassen. Jetzt kenne ich mich schon mal deutlich besser in Sofia aus. Wir waren u. a. in den Zentralen Markthallen, auf dem Witoscha-Boulevard, einer ziemlich großen Einkaufsstraße, und in zwei Second-Hand-Läden. Mein Koffer wäre jetzt schon mal deutlich schwerer...


So sehen die Zentralen Markthallen aus 

Was die Läden angeht, ist es hier schon ziemlich anders. Bei uns gibt es ja vor allem Ketten - nicht nur bei den Supermärkten, sondern auch bei Buchhandlungen, Schnellrestaurants und Baumärkten. Hier sind die meisten Geschäfte "Einzelgänger", obwohl es natürlich auch McDonald's, IKEA, Starbucks, dm und sogar Praktiker gibt. Manche Läden sind im Souterrain eines Wohnhauses untergebracht und wenn man etwas kaufen will, kniet man sich vor das kleine Fenster. Die nennen sich "Kleck-Läden", vom bulgarischen Wort für "sich hinhocken".

Apropos Dinge, die in Bulgarien anders sind: Bettwanzen. Okay, vielleicht ist das auch keine bulgarische Sache (von meinen Kollegen hatte das noch keiner), aber im Bett meiner Mitbewohnerin leben jedenfalls welche. Sie ist ganz zerstochen, und man kann die Tierchen sogar sehen... iih! jetzt versucht sie, eine Firma zu erreichen, die sich darum kümmert, aber so einfach scheint das gar nicht zu sein. Ich selbst habe auch ein paar Stiche, aber unter meiner Matratze konnten wir keine Wanzen finden. Vielleicht sind es auch Mücken.

Was für ein Schlusswort für diesen Beitrag! Sonst fällt mir nämlich gerade nichts mehr ein, mehr gibt's dann nächste Woche von mir. 

До скоро!
Kathi

* © Ulrich Zahlten, Mitbegründer und Ehrenvorsitzender von YFU Deutschland. Er zieht sich jetzt aus dem YFU-Leben zurück, wie ich heute gehört habe... Immerhin ist er schon 75 oder so.