Sonntag, 18. September 2011

Je vais bien, ne vous en faites pas

Seit gestern bin ich also in Sofia und ja, mir geht es gut, und nein, ich bereue das alles nicht jetzt schon.

Gegen 19 Uhr hat mich I. also vom Bahnhof abgeholt und wir haben den schweren Koffer erst mal eine Treppe runter und dann eine andere wieder hoch getragen (die Rolltreppen waren außer Betrieb und Fahrstühle gibt es nicht). Auf der Fahrt kreuz und quer durch Sofia hat I. mir dann alles gezeigt und erklärt, was es so unterwegs zu sehen gibt. Ein paar Erkenntnisse von der Fahrt:
  1. Ich bin ja so froh, dass ich nicht in Bulgarien Auto fahren muss.
    1. "An Zebrastreifen halten wir an und lassen Fußgänger rüber" ist hier mehr eine Richtlinie und auch die Leute erwarten nicht, dass die Autos anhalten.
    2. Bürgersteige = Parkplätze und umgekehrt.
    3. Wenn selbst die Bürgersteige vollgeparkt sind, parkt man auch mal in zweiter oder dritter Reihe - kein Problem, wenn die Warnblinkanlage an ist.
  2. Es gibt hier Milka, dm und ab Dienstag sogar IKEA!
  3. In Bulgarien muss für Feiertage an anderen Tagen zusätzlich gearbeitet werden (Beispiel: nächsten Donnerstag ist ein Feiertag, dafür ist dieser Samstag ein Arbeitstag).
  4. Auch Städte haben Namenstage (bei Sofia zum Beispiel der 17. September) und dann gibt es ein Stadtfest.
An der Wohnung angekommen, mussten wir uns erst mit dem Schlüssel herumschlagen (reinstecken, zweieinhalb Millimeter herausziehen, drehen). I. hat's nicht geschafft, aber bei mir hat's beim ersten Versuch geklappt... Dann hieß es, den Koffer fünf Stockwerke hoch zu tragen (einen Fahrstuhl gibt es nicht).

Die Wohnung gehört eigentlich E., der EFDlerin letzten Jahres; die ist aber im Moment noch in Deutschland und hat ein Zimmer an M. untervermietet, die gerade ihr Studium "Deutsch als Fremdsprache" abgeschlossen hat und jetzt seit einer Woche hier ist, um an der TU Sofia Deutschunterricht zu geben. Das andere Zimmer, in dem ich jetzt wohne, gehört E., wenn sie da ist, aber sie kommt erst Ende des Monats wieder und bis dahin habe ich hoffentlich eine Gastfamilie.

Verglichen mit dem Zug ist die Wohnung totaler Luxus: Steckdosen, eine Dusche, warmes Wasser, ein riesiges Bett, ein Balkon... mal ehrlich, sie ist ziemlich schön. Und M. ist ziemlich nett. Als wir in die Wohnung kamen und einen Rundgang machten, war sie noch mit einem Bekannten auf dem Stadtfest. I. und ich haben dann erst mal einen Spaziergang zum YFU-Büro gemacht, uns das Büro angeguckt und meine neue SIM-Karte ins Handy einzusetzen versucht ("SIM-Karte ungültig"). Von da aus habe ich dann auch mal zu Hause angerufen, um zu sagen, dass ich noch lebe

Dann sind wir noch auf dieses Stadtfest gegangen, was irgendwie mehr ein Flohmarkt mit Musik und Feuerwerk war... da haben wir auch M. getroffen, I. ist nach Hause gegangen und ich bin mit M. und ihrem Bekannten R. mitgegangen. M. hat eine Salatschüssel aus Ton für 20 lewa gekauft und wir haben über Globalisierung und Outsourcing gesprochen (R. spricht fließend Deutsch).

Im Supermarkt habe ich Kekse, Wurst, Butter und Orangensaft gekauft (Brot hat I. mir zum Einstand geschenkt) und dabei festgestellt: Es gibt hier wirklich fast alles - Deutsche Markenbutter, Schoko-Röllchen, Milka... also keine Sorge, ich werde nicht an Schokoladenmangel sterben (eher nach Hause gerollt kommen).

Meine ersten bulgarischen Wörter habe ich an dem Abend auch gehört und teilweise sogar verstanden; immer nur ein paar Satzbrocken, aber immerhin. I. will mal bei der bulgarischen EFD-Nationalagentur nachfragen, ob hier noch andere Freiwillige sind, mit denen ich dann einen Kurs zusammen machen kann.

Heute, am Sonntag, habe ich erst mal ausgeschlafen und mache soweit nichts. M. bereitet ihren Unterricht vor; ich glaube, ich gehe nachher noch das schöne Wetter genießen und lege mich mit einem Buch in den Park. Am Montag geht die Arbeit los - irgendwann nach dem Aufstehen soll ich hingehen, das Zeitverständnis scheint hier sehr polichron zu sein. Am Wochenende ist hier schon eine NBT (bzw. die NBT) und da soll ich auch mitfahren. Ziemlich cool, was?

Leider habe ich jetzt keine Fotos mehr für euch (gestern habe ich meine Kamera nicht mehr gefunden und dachte schon, ich hätte sie im Zug liegen lassen), deshalb hier eins von Joseph Haydn mit Taube auf dem Kopf, das ich in Wien gemacht habe:

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