Samstag, 17. September 2011

Fünf Länder in 24 Stunden

Okay, vielleicht etwas mehr als 24 Stunden, aber fünf Länder waren es: Deutschland, Österreich, Ungarn, Serbien und Bulgarien. In einem davon bin ich aufgewachsen, in den anderen vier war ich noch nie.

Let's start at the beginning: Donnerstag, 15. September 2011, 11:15 Uhr. Meine Eltern und ich mit riesigem Koffer am Bahnhof in Hildesheim. Auf der Anzeige hinter dem ICE nach Stuttgart der Hinweis "Zug entfällt. Bitte RB nach Hannover nutzen." Der Mann im ServicePoint bestätigt: "Das schaffen Sie heute nicht mehr nach Wien." Also einen neuen Schlafplatz reserviert, Zugbindung aufgehoben, wieder nach Hause und das Ganze 22 Stunden später noch mal.

Freitag, 16. September 2011, 9:15 Uhr. Kein Zug fällt aus, es wird sich verabschiedet, ich steige in den ICE nach München, meine Eltern winken. Einen Platz gibt es bis Würzburg nicht, also lasse ich mir vor der Bordtoilette den sechsten Harry-Potter-Band von Rufus Beck vorlesen (kurz vor Passau war leider der Akku leer).

Unterwegs mache ich in jedem Bundesland ein Foto von einer zufälligen Fensteraussicht.

Niedersachsen

Hessen


Bayern

Zwei Stunden Aufenthalt in Wien. Ich laufe die Mariahilfer Straße entlang und treffe eine WWFlerin, deren Großeltern in Peine wohnen, das 20 Minuten von meinem Heimatort entfernt ist. Die Welt ist klein (und bunt!) Ich gebe 24,89 € von meinen letzten 25 Euro für ein USB-Aufladegerät, einen 1534 Seiten langen Stephen-King-Roman und ein Happy Meal aus und gehe zurück zum Westbahnhof.


Die nächste Überraschung: Der Zug D347 nach Bucuresti fährt laut Anzeige heute "ohne Kurswagen Sofia". F*** the what? Ich frage beim österreichischen Equivalent des ServicePoint nach und erhalte die wenig beruhigende Antwort: "Setzen S' sich mal rein, ich glaub', der wird in Budapest angekoppelt." Das wird mir dann am Gleis noch mal bestätigt. Doch ein wenig beruhigt, setze ich mich in Wagen 420 und lerne dort innerhalb der nächsten drei Stunden einen Polen kennen, der in Salzburg lebt und zu einem Kongress nach Budapest fährt sowie eine Ungarin, die nach drei Jahren Aufenthalt in Dänemark jetzt in Innsbruck studiert und ihre Familie in Győr besucht. Die Welt ist bunt!

In Budapest finde ich dann tatsächlich den Schlafwagen und gehe dann dort auch gleich schlafen. Reisen macht müde... vor allem, wenn man um zwei Uhr morgens in Subotica an der ungarisch-serbische Grenzen zwei Mal zur Passkontrolle geweckt wird. Die Schlafwagen (Liegewagen?) sind nicht ganz so komfortabel, wie ich sie mir vorgestellt hatte - es gibt weder Steckdosen noch Duschen noch Frühstück - , aber es ist auszuhalten.

Ich mache sowieso nicht viel: Nachts schlafe ich, tagsüber liege ich rum, lese 300 Seiten Stephen King und schaue mir Serbien an. Es gibt, ähnlich wie in Deutschland, Felder mit Bäumen dazwischen und ein paar Hügel, im östlicheren Teil aber auch höhere Berge, durch die wir teilweise hindurch fahren. Dann gibt es zwar wenig Licht, aber eine außergewöhnliche Aussicht, mit Abhängen direkt vor dem Fenster. Ich sehe auch ziemlich viele Häuser, die ein bisschen schäbig und heruntergekommen aussehen, aber auch einige neue mit Klimaanlage, oder solche, die gerade gebaut werden. Auf den Feldern wächst bzw. vertrocknet Mais.

Vertrocknete Felder: In Serbien hat es wohl länger nicht mehr geregnet, auch die Blätter an den Bäumen sind teilweise blass und gelb

Irgendein ziemlich cooler serbischer Berg

(Falls jemand wissen möchte, wie es in Ungarn aussieht: Dunkel.)

Um 17 Uhr kommen wir jedenfalls in Bulgarien an und stehen erst mal ewig an der Grenze bei Dimitrovgrad herum. Irgendwann geht es aber doch weiter, und ich mache noch schnell ein Foto von Bulgarien in der Abenddämmerung:


Letztendlich hat der Zug 63 Minuten Verspätung (17 Minuten weniger als am Bahnhof angesagt). Und da wartet auch schon I., um mich abzuholen...

Mehr dazu gibt es aber erst morgen, jetzt gehe ich erst mal schlafen.

Gute Nacht, ihr Lieben!

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