Montag, 25. Juni 2012

Eine Mini-VBT und zwei Mini-Bulgaren in drei Tagen

Am Wochenende war ich bei einer richtigen bulgarischen Familie zu Gast. Das muss man den Bulgaren lassen: Sie sind wirklich gastfreundlich. Ich wurde vom Busbahnhof abgeholt (obwohl er 10 km entfernt war), mit Eis und Brot und Grillfleisch und Salat vollgestopft (du armes Kind; nicht, dass du uns noch verhungerst), und konnte das Spiel mit der Familie schauen. (4:2 für Deutschland! Wir sind so geil!) Ich kenne sie übrigens von YFU; sie werden im nächsten Schuljahr eine unserer Schülerinnen aufnehmen. Die Eltern sind beide wirklich nett und waren ganz interessiert an Deutschland und an mir, und die Kinder sind so süß!





Sie wohnen in einem ganz hübschen Haus in einem süßen kleinen Dorf -- theoretisch ist es eine Stadt, aber alle kennen alle, es fahren kaum Autos und es ist ganz still und idyllisch.





Am Samstag sind wir nach Etropole gefahren und haben dort ein Kloster
angeschaut. Dann waren wir noch auf einem Kindergeburtstag, das war auch sehr interessant.



Für Sonntag hatten wir von YFU eine Abiturientin eingeladen, die bald nach Deutschland fliegt. Sie verbringt dort ein Jahr als EVS-Freiwillige (das ist praktisch das Programm, an dem ich auch gerade teilnehme). Wir haben in ca. fünf Stunden (inklusive Mittagessen) ganz schnell die wichtigsten Dinge zum Kulturaustausch durchgenommen -- Kulturbegriff, Identität, Werte, Anpassung... Es war eigentlich ganz witzig, weil wir nicht so richtig Ahnung hatten, wie wir das angehen, und es nur so ganz grob durchgeplant hatten, es dann aber richtig gut lief und am Ende ziemlich rund war. Wir haben's halt drauf.

Ja, und das war's praktisch auch schon an interessanten Sachen der letzten Woche. Nächste Woche mache ich den letzten Workshop der Saison und dann gibt es die Colored-Glasses-Jahres-Abschluss-Party.

Bis später!
Eure Kathi

Montag, 18. Juni 2012

Hitze und Workshops und Kabarett – haha!


Es ist unglaublich warm in Sofia. Na gut, so schlimm wäre es ja gar nicht, von den Temperaturen her, aber in der Stadt ist der Sommer immer noch schlimmer als auf dem Dorf (finde ich). Dank des Wetters habe ich Kopfschmerzen, aber dafür keine Motivation, irgendetwas zu tun.

Am Dienstag haben wir einen Workshop in Stara Zagora durchgeführt (wo es irgendwie noch heißer war als in Sofia), und zwar von 17:50 bis 19:20 Uhr – so ist das hier mit dem Zwei-Schichten-System in der Schule. Dabei waren diesmal nur deutsche Teamer: Zwei Freiwilligendienstler, eine Sprachassistentin und deren Freundin, die auch Sprachassistentin ist (aber in Cluj, Rumänien). Das war ziemlich witzig mit allen. Und die Nacht habe ich dann bei den Eltern unserer einen Freiwilligen geschlafen, die waren auch sehr nett. Am nächsten Tag bin ich dann nachmittags zurück nach Sofia gefahren, nachdem ich noch mit den ganzen Freiwilligen Zeit verbracht und Mittag gegessen habe. Ich hab unterwegs die ganze Zeit geschlafen, und auch, als ich dann zu Hause war, war ich noch ziemlich erschöpft. Ich habe mal nachgerechnet:

4 Tage mit drei anderen Freiwilligen in Thessaloniki (Urlaub)
7 Tage Besuch aus Deutschland (und dreieinhalb davon waren in Istanbul)
3 Tage Pause
4 Tage in Varna (Workshops und Freunde besuchen)
1 Tag Besuch aus Varna (zum Reisepass ausstellen lassen)
2 Tage in Stara Zagora (Workshops)

Okay, eigentlich sollte das ja mein Job sein, durch Bulgarien zu reisen und so weiter, aber kaputt war ich nach all dem trotzdem. Ich habe also erst mal gechillt und bin dann zur Adlerbrücke gegangen, um Fußball auf dem Bildschirm dort zu schauen (Deutschland – Niederlande). Nach der ersten Halbzeit bin ich aber gegangen, um mit meinem Kollegen und seiner Schwester und seiner Mitbewohnerin abzuhängen. Seine Wohnung ist jetzt schon etwas sauberer, aber die Küche ist immer noch... überholungsbedürftig. Aber sie hat schon einen Namen.

Am Donnerstag war ich erstmal bei einer Buchvorstellung (eine Freundin von mir hat ein Buch geschrieben!) und bei der Abschiedsparty einer anderen Freundin -- auf dem Dach.



Seit letztem Jahr wurde schon der Kabarettauftritt von Andreas Rebers in Sofia von der Deutschen Botschaft total gehypet. Dafür war es, um ehrlich zu sein, ziemlich enttäuschend. Meine Art von Humor war es jedenfalls nicht. Zwischendurch gab es eine Pause, und danach kam ich mir wirklich nur noch vor wie ein kleines Kind in der Oper, „Sind wir bald fertig? Können wir nach Hause gehen?“ Es war auch richtig warm dort drinnen. Vielleicht ist die Klimaanlage ausgefallen. Nachher sind wir aber noch was trinken gegangen, das war auch noch ganz nett.

Am Samstag haben wir im YFU-Büro eine Art Mini-VBT veranstaltet, mit genau einer Schülerin (sie war bei der eigentlichen VBT krank). Nachher war ich noch im Park (ich liebe Sofia einfach)...


... und dann bei diesem Protest an der Adlerbrücke („Rettet die Wälder!“). Es war sehr interessant und ist ja auch eine gute Sache, aber mir kam es so vor, als würden da alle möglichen und unmöglichen Gruppierungen aufs Trittbrett springen – links, rechts, Mitte, oben, unten... Andererseits ist es ja auch gut, dass so viele verschiedenen Menschen für diesen gemeinsamen Grund zusammen kommen. Jedenfalls habe ich noch nie so viele verrückte Haarschnitte und -färbungen an einem Ort gesehen, vor allem bei den Männern (lang, kurz, Vokuhila, rasiert u. v. m.).


Und Pferde gab es!


Für den Tag hatten wir eigentlich auch ein gemeinsames Fußballgucken im YFU-Büro geplant, aber... niemand ist gekommen. Fies. Na ja, nächsten Monat denken wir uns etwas Attraktiveres aus.

Sonntag war – endlich mal – Gammeln angesagt. Ich bin kurz zum Einkaufen aus dem Haus gegangen, aber sonst habe ich nur zu Hause und auf dem Balkon gechillt. Das Spiel habe ich abends online und auf dem Balkon geschaut. Das war so richtig dekadent – mit Decke und Liegestuhl und einem Glas Orangensaft.

Eine kühle Woche wünscht euch
Kathi

Montag, 11. Juni 2012

Acht Stunden Zugfahrt, zwei Workshops und ein Sonnenbrank

Hallihallo ihr Daheimgebliebenen,

wie geht's, wie steht's? Die letzte Woche war mal wieder ganz voll, aber auf eine angenehme Art. Mal sehen...

Montag habe ich meinen Besuch zum Flughafen gebracht und war dementsprechend bis 6 Uhr auf. Schlaf ist eh was für Langweiler.

Dienstag war ich mit meinem Kollegen in IKEA (er hat sich ein Bett, einen Lattenrost und ein Kissen gekauft -- nicht zu vergessen ein Besteckset). Der Karton von IKEA war irgendwie 12 x 13 x 204 cm, und wir haben das mit einem Taxi zu seiner neuen Wohnung transportiert. Das war ganz lustig. Und dann hat es geregnet und wir sind jeweils 50 % nass geworden. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Donnerstag sind wir mit dem Zug nach Varna gefahren! Das waren sieben Stunden und 45 Minuten, also sagen wir acht Stunden. Es war richtig schön. Bulgarien ist einfach wunderschön, und dann im Sommer im uralten DDR-Zug über die Wiesen und Felder und durch die Berge und an Seen vorbei... das hatte echt was. Wir waren dann gegen 21 Uhr da und wurden ganz nett von unseren EVS-Kollegen aufgenommen. Am Freitag gab's dann die Workshops! Wir haben unsere vier motivierten Freiwillige vor der Schule getroffen, alles vorbesprochen und dann losgelegt. Der erste Workshop war echt super, der zweite auch -- nur dass wir für den auf ein Mal nur noch 45 - 60 Minuten hatten. Das war einfach blöd kommuniziert; ich ging von drei Zeitstunden aus, sie meinten aber drei Schulstunden. Dafür hat es dann aber echt noch erstaunlich gut geklappt!

Am Samstag war wieder Sommer, Sonne, Sonnenschein angesagt -- muss ja sein, wenn man in Varna ist. Für meine zarte Haut war es aber etwas zu viel Sonnenschein... mein oberer Rücken ist jetzt richtig schön rot. Ich hatte mich ja extra richtig gut eingecremt, aber dabei einen Teil vergessen (mein Gedankengang war ungefähr so: "Wenn ich jetzt die Strickjacke ausziehe, muss ich mir ja auch Arme und Schultern eincremen... und dann penn ich mal ein, zwei Stunden, auf dem Bauch liegend, ohne daran zu denken, dass mein Kleid relativ rückenfrei ist.") Und na ja, von hinten sehe ich jetzt aus wie eine umgedrehte polnische Flagge. Aber das gehört ja auch zum Sommer!

Später haben wir noch das Spiel Deutschland -- Portugal geschaut. Ich musste nur an dieses Harry-Potter-Zitat denken:

"Aber Bulgarien hat Viktor Krum", sagte Fred.
"Krum ist gerade mal ein brauchbarer Spieler, Irland hat sieben", sagte Charlie schroff.

Portugal hat Ronaldo...

Sonntag sind wir per Anhalter zurück nach Sofia. Es war richtig super, aber auch total heiß. Ich war dankbar für meinen Hut (Sonnenstich kommt nicht so toll). Zwischendurch standen wir (gefühlt) richtig lange bei Veliko Turnovo und waren schon ganz fertig, aber dann hat ein Priester für uns angehalten, das war richtig nett. Er hat dann unterwegs so Gebetsgesänge auf Kassette gehört -- interessant.

Jetzt habe ich reisepassbedingten Besuch aus Varna, und morgen steht noch ein Workshop in Stara Zagora an, aber davon berichte ich nächste Woche. Bis dann!

Eure Kathi

Montag, 4. Juni 2012

Girl Talk, Shopping, Hitchhiking

Diese Woche war meine beste Freundin aus Deutschland da, und es war einfach toll. Wir haben uns richtig gut verstanden und es war, als wäre ich nie weg gewesen. Sofia hat ihr auch gefallen (ich sag doch, dass es eine schöne Stadt ist!); sie hat es als "Paris für Arme" bezeichnet. Wir haben vegan gekocht und jede Menge Filme geschaut und einfach quality time zusammen verbracht.

Am Mittwoch ging's dann los nach Istanbul, und das per Anhalter. Es war gut, dass wir früh morgens losgefahren sind, weil wir erst die Bushaltestelle verpasst und deshalb nicht zur Autobahn gefunden haben. Dann hat uns aber ein freundlicher Bulgare erklärt, wie wir dorthin kommen, und ein anderer freundlicher Bulgare hat uns bis dahin mitgenommen. Wir mussten nicht mal fünf Minuten dort stehen, bis uns ein Architekt aus Sofia bis Plovdiv mitgenommen hat. Dort haben wir dann etwas länger gewartet und hatten dafür dann aber auch einen richtig netten Fahrer (Pavel aus Sofia), der uns nach Harmanli gefahren hat. Von dort hatten wir dann drei verschiedene Kurzstreckenfahrer bis zur türkischen Grenze. Irgendwie haben uns nur einzelne Männer mitgenommen -- aber das kann auch daran liegen, dass allgemein einzelne Männer mehr in ihren Autos unterwegs sind. Von der Grenze hat uns so ein türkischer Mechaniker mitgenommen, der fast kein Englisch konnte, aber ganz nett war (wir haben Tee und Zigaretten bekommen). Er ist nur bis Havsa gefahren (so 80 km von der Grenze entfernt), und weil es dann so extrem geregnet hat, haben wir uns dann doch für den Bus entschieden. Es war auch recht billig: 13 € für drei Stunden Fahrt. Um 21:30 Uhr waren wir am Busbahnhof und haben uns erst mal Türkische Lira gezogen und zur Wohnung unseres CouchSurfing-Gastgebers durchgeschlagen (okay, so schwierig war es nicht). Ihre Wohnung ist eigentlich ziemlich cool gewesen, schön groß (vor allem im Vergleich zu Sofioter Wohnungen) und sehr persönlich, also nicht so mainstream.



Und sie hatten einen Hund! Er hieß Max und war ein Golden Retriever und ganz süß und jung (erst ein Jahr alt). Er war außerdem sehr... energiegeladen. Ich rege mich ja schon oft genug darüber auf, wie Haustiere so in Deutschland behandelt werden, aber in anderen Ländern ist das oft noch deutlich schlimmer. Er kam meiner Meinung nach viel zu selten raus und war den Tag über viel zu lang alleine. Armes Tier.



Unsere Gastgeber konnten zwar nicht so gut Englisch (oder Deutsch, oder Französisch, oder Bulgarisch, oder Spanisch, oder Latein), aber sie waren richtig freundlich und hilfsbereit und großzügig. Am ersten Abend haben sie uns gleich Essen von Burger King besorgt (und bezahlt) und einer der beiden hat praktisch auf dem Boden geschlafen, sodass wir sein Zimmer hatten. Und er hat meiner Freundin Sandwiches gemacht; das war auch ganz nett. Wir haben es sogar geschafft, uns über Feminismus und seine Hobbies und seine Mutter und seine Ex-Freundin und seinen Mitbewohner zu unterhalten, obwohl es dabei klang, als sei mindestens einer von uns irgendwie geistig behindert (Verben sind für Anfänger, was?).

Am nächsten Tag sind wir zur Blauen Moschee gefahren -- muss man ja als Touristen gemacht haben. Praktischerweise kamen wir gerade zur Mittagsgebetszeit an, sodass wir eine Präsentation über die Moschee auf sehr schnellem und korrektem britischen Englisch genießen konnten. Ich hab sogar eine deutsche Ausgabe des Korans bekommen! Die Moschee konnten wir danach auch noch besichtigen, und sie war richtig schön.




Anschließend sind wir -- natürlich -- wieder mal ausgiebig shoppen gegangen. Jede Menge Touristenkram, klar, aber das gehört ja dazu. Ich hab Mandelöl für die Haare, einen Hut, türkisfarbenen Nagellack, und ein Paar Schuhe gekauft. Und natürlich Zeug für die Daheimgebliebenen. Türkischer Honig mit Schokolade überzogen! Und überall hingen Katzen ab.





Also die Türken sind echt richtig hilfsbereit und gastfreundlich. Das war nicht nur unser Gastgeber, das zeigte sich bei allen, die wir so getroffen haben -- selbst wenn sie kein Wort Englisch konnten. Eine Gruppe Jugendlicher hat uns am Freitagmittag einfach mal mit an den Hafen genommen und uns Tee und Sonnenblumenkerne gekauft. So random -- but awesome. Und unser Gastgeber hat uns einfach mal so in der Stadt getroffen und uns alle möglichen Sachen gezeigt und es war einfach genial:












Na ja, und das war eigentlich auch schon die Türkei. Am Samstag sind wir wieder zurück und haben vegane Pizza gemacht (Leute, ich habe Pizza gegessen, seid stolz auf mich) und einen Film geschaut. Sonntag wollten wir eigentlich die Free Sofia Tour mitmachen; wir waren auch rechtzeitig da und sind erst mitgelaufen, hatten aber große Probleme, deren Geschichten zu folgen (weil müde). Wir haben uns dann von der Gruppe getrennt, uns einen Kaffee gegönnt und sind Second-Hand-Shopping gegangen. Ich habe drei Kleider, ein Top und ein Paar Shorts für 6,50 € gekauft. Das ist doch nicht schlecht. Abends haben wir dann noch die neue (bzw. zukünftige) Wohnung meines Kollegen angeschaut -- er hat ja jetzt endlich eine, halleluja. Dann sind wir die Nacht wach geblieben, weil das Flugzeug meiner Freundin um 6 Uhr ging und wir um 3:30 Uhr zum Flughafen gefahren sind. Eigentlich hätte es dank Online-Check-in und fehlendem Gepäck zur Aufgabe auch gereicht, um 5:30 Uhr da zu sein, aber das wussten wir ja nicht. So ist es besser, als zu spät dran zu sein.

Und das war's eigentlich von meiner Woche! Cheerio und bis demnächst!

Kathi

Montag, 28. Mai 2012

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Jetzt mit Fotos!

Es lebe die Spontaneität! Am Donnerstag war in Bulgarien ein Feiertag und wir hatten frei. Am Freitag war dann auch ein Brückentag, es gab also ein langes Wochenende. Wir (das heißt, drei andere Freiwillige und ich) wollten eigentlich nach Skopje fahren, aber der 9-Uhr-30-Bus fiel aus und wir hätten auf den nächsten um 16 Uhr warten müssen... darauf hatten wir natürlich keine Lust; der ganze Tag wäre dahin gewesen.

Was machen also die bulgarisierten Deutschen (und der Mexikaner, der sowieso schon die bulgarische Mentalität hat)? Ganz spontan nach anderen Bussen fragen, die in nächster Zeit abfahren, natürlich. Es gab einen Bus nach "Солун" (Solun) in Griechenland, und laut der Frau im Büro der Busgesellschaft war es am Meer und hatte schönes Wetter. "Klar, da fahren wir hin", sagten wir. Etwas später haben wir dann überhaupt erst herausgefunden, dass Solun auf Griechisch Thessaloniki heißt. Wie auch immer, wir sind zum Bus gerannt, eingestiegen und waren nach fünf, sechs Stunden in Thessaloniki.



 Erstmal haben wir uns auf die Suche nach einem günstigen Hotel gemacht und auch eins für 25 € pro Nacht und Doppelzimmer gefunden. Frühstück gab's zwar nicht, aber eine Bäckerei genau vorm Hotel, das war also kein Problem. Die Zimmer waren zwar nicht so sauber, aber es gab warmes, trinkbares Leitungswasser, ein Handtuch für jeden und einen Balkon in jedem Zimmer. (Später haben wir herausgefunden, dass es wohl keinen so guten Ruf hatte, aber gegen den Preis kann man echt nichts sagen.)



Danach haben wir die Stadt erkundet. Es gibt einen Basar, ein Kneipenviertel, einen Hafen und einen Turm, der auch ein Museum ist. Wie wir bei unserer Ankunft erfahren hatten, gibt es keinen Strand in Thessaloniki, aber wir haben uns eben am Hafen hingesetzt und die Beine baumeln lassen. Abends waren wir in einem süßen kleinen Restaurant bzw. Imbiss, wo es Gyros und Pommes mit drauf gesprenkeltem Feta gab. Für mich ist das ja nichts, aber diese griechische Frikadelle oder was auch immer war richtig lecker. Dann wollten wir eigentlich wieder aufbrechen... aber es hat geregnet wie blöd und natürlich hatte niemand einen Regenschirm dabei. Irgendwann hat's dann wieder nachgelassen und wir haben uns auf unsere Hotelzimmer gechillt und noch unterhalten.



Am Freitag wollten wir an den Strand, aber da wir uns auf eine City-Tour in Skopje eingestellt hatten, hatte natürlich niemand einen Bikini bzw. eine Badehose dabei, oder auch nur ein großes Handtuch. Da kam der Basar uns gerade recht. An dieser Stelle möchte ich übrigens unserer männlichen Begleitung für seine Geduld danken. Gracias! Es war jedenfalls recht billig, und ich hab mich fast ganz neu eingekleidet: Ein Strandkleid und einen Hut für je 5 €, und einen Bikini für 10. Wir haben uns auch jeder ein witziges Handtuch für 6,50 € angeschafft (wir hatten eine gute Handlerin dabei). Übrigens war es total komisch, wieder in Euro zu bezahlen. Wir haben die ganze Zeit gesagt, "Das sind 10 Leva!", wenn etwas z. B. 5 € gekostet hat. Es war wie damals, als der Euro eingeführt wurde (ein Lev entspricht ja einer D-Mark).



Irgendwie sind wir dann auch mit dem Bus zum Strand gekommen, obwohl es recht abenteuerlich war (wir wurden getrennt und dann wussten wir nicht mal, wo wir aussteigen mussten; gut, dass es so hilfsbereite Griechen gibt). Es war richtig heiß, Mittag eben, und der Strand war relativ leer, Nebensaison eben. So ganz sauber war der auch nicht, aber das war uns ziemlich schnuppe. Wir haben einen richtig schönen klassischen Strandnachmittag dort verbracht, mit Sonnencreme und Bier und Eis und Wasserball und Schlaf.




 Abends waren wir dann noch nett griechisch essen (klar), und haben über Wirtschaft gesprochen. Bei einem Eis haben wir noch diskutiert, was wir danach machen (Party? Kneipe? Chillen?), aber die Diskussion wurde bald obsolet, als sich heraus stellte, dass eh alle zu müde für irgendwelche Aktivitäten waren.




Samstag war Kultur angesagt: Erst waren wir nett frühstücken (ja... um 12 Uhr mittags -- na und?), dann im oben genannten Turm-Museum (ich will auch in einem Turm wohnen), wo wir die Hypothese (auch ein griechisches Wort!) aufgestellt haben, dass Griechenland in einer Wirtschaftskrise ist, weil sie einfach mal riesige iMacs mit Touchscreen und Home-Theater-Systeme im Wert von mehreren Tausend Dollar in ihren Museen aufbauen, und dann nur 3 € Eintritt verlangen -- wenn sie einen nicht für 2 € (Studentenrabatt) oder sogar ganz umsonst (Studentenrabatt, wenn man EU-Bürger ist) rein lassen. Es war aber ganz interessant.



Danach wollten wir eigentlich die Touristeninformation suchen, es kam aber ganz anders. Wir haben zwei junge Männer angesprochen, die die Touristeninformation (was für ein Wort) zwar auch nicht kannten, aber dafür wussten, wo alle coolen Kirchen usw. in Thessaloniki sind. Was sie noch wussten: Jesus ist toll, Gott sowieso, und wir sollten alle über unsere persönlichen religiösen Ansichten, sexuelle Vergangenheit, Einstellung zu Himmel, Hölle, Drogen, Alkohol, Gebeten, der Kirche und Essen sprechen. Vielleicht ist es nur meine deutsche Erziehung, aber ich fand das jetzt ein bisschen zu intim. Aber... es war interessant, das kann ich nicht leugnen. Sie waren Missionare, klar, aber ich persönlich finde das ein bisschen sinnlos. Die Griechen sind viel christlicher als viele andere Länder, und nur weil es nicht "das richtige Christentum" ist, sollen sie jetzt bekehrt werden oder was? Ich werd's wohl nie verstehen, muss ich aber auch nicht.



Nach einem sehr intensiven Gebet mitten auf der Straße (ja... wirklich) mussten wir uns erst mal ausruhen. Abends sind wir dann aber doch noch losgezogen und haben ein paar Bier (oder Mineralwasser... oder Orangensaft) getrunken. Ich bin dann zurück ins Hotel, weil ich erstens müde war und zweitens in den mit Menschen voll gestopften, nach Zigaretten und Bier und Schweiß riechenden und stickig-heißen Clubs durchgedreht wäre (außerdem habe ich so jede Menge Geld gespart). Meinen Zimmernachbarn am nächsten Tag zu wecken war... eine Herausforderung. Wir kamen aber doch irgendwann los, und hatten sogar noch genug Geld für ein Frühstück und Busfahrkarten.

Irgendjemand hatte meinen Geführten irgendwann in der vorherigen Nacht von einem netten Strand erzählt, der wohl bei Epanomi lag. Wir sind also in den Bus nach Epanomi gestiegen und haben wahrscheinlich die richtige Haltestelle verpasst, als wir nämlich an der Endhaltestelle ankamen, war dort... niemand. Gar nichts. Stille und Leere und ziemlich viel Müll. Ich will nicht übertreiben; es gab schon eine verlassene Imbissbude und den einen oder anderen Hundebesitzer, aber das war's auch schon. Von Touristen gab's keine Spur. Uns war es recht. Wir haben unsere Handtücher ausgebreitet, uns in den Sand gechillt und geschlafen oder Musik gehört.


 Ich war später sogar noch kurz im Wasser; es war gar nicht so kalt. Bevor wir wieder zurück gefahren sind, haben wir noch ein paar Gruppenfotos gemacht.







In Thessaloniki hat es geregnet, als wir wieder dort ankamen. Wir sind noch ein letztes Mal in einem Imbiss eingekehrt (es war ganz nett und gar nicht teuer), bevor wir unser Gepäck aus dem Hotel abgeholt und uns auf den Weg zum Busbahnhof gemacht haben. Dort haben wir schon wieder zwei Amerikaner getroffen, die auch nach Sofia unterwegs waren. Der Bus war übrigens richtig klasse: Glasdach, Ledersitze und Unterhaltungselektonik in den Sitzlehnen (es lief nichts Gutes, aber es geht ja ums Prinzip). Nach der Grenze habe ich noch ein paar Stunden schlafen können, und um genau 5 Uhr waren wir wieder in Sofia, wo es -- Überraschung -- geregnet hat und richtig kalt war.

Was für eine nette Art, den Blogpost zu beenden! (Sarkasmus.) Es tut mir Leid, aber ich bin müde und werde nächste Woche von dem Besuch schreiben, der gerade bei mir ist. In den nächsten Tagen werde ich aber noch ein paar Fotos in den Post einfügen, also bleibt dran!

Alles Liebe,
Kathi

Dienstag, 22. Mai 2012

Noch ein Workshop und ein Picknick (und ein Erdbeben)

Eigentlich war die letzte Woche eher langweilig. Deswegen ist es vielleicht ganz gut, dass ich ein bisschen spät dran bin mit dem Post, weil ich so über interessantere Dinge berichten kann.

Am Mittwoch waren wir im Finanz- und Wirtschaftsgymnasium in Sofia und haben dort einen Workshop gemacht, das heißt, eigentlich sogar zwei parallel. Die Lehrerin, die uns eingeladen hat, war aus Österreich und richtig nett. Sie war ganz begeistert von dem, was wir so machen, und hat uns danach sogar noch mal eingeladen, für einen Workshop auf Englisch am Dienstag. Sogar der Direktor, der schon uralt war, hat sich für unser Projekt interessiert und eingesetzt. Und dann habe ich mein Handy da vergessen. Ziemlich schlau.

Abends habe ich den Chor geschwänzt (sorry, Leute) und war mit meinen beiden Kollegen im Park; wir haben uns unterhalten und Bier getrunken oder Schokolade gegessen oder beides. Das war auch ganz nett. Sofia ist wunderschön.

Und am Wochenende war unser übliches monatliches YFU-Treffen. Es waren nicht so viele Leute da, aber es war trotzdem ganz nett. Wir haben ein Picknick veranstaltet und ich hab dem einen Mädel ein bisschen beim Deutsch Lernen geholfen (Endungen sind schwer, okay?). Dann wäre eigentlich noch die Nacht der Museen gewesen, aber ich war auch müde und hatte kein Handy und hab stattdessen einen Film geschaut. Auch gut.

Wahrscheinlich habt ihr schon von dem Erdbeben letzte Nacht gehört, 5,6 auf der Richter-Skala (oder mehr, je nachdem, wen man fragt). Ich muss zugeben, dass ich gar nichts davon mitbekommen habe. Morgens vor dem Workshop habe ich die anderen Teamer getroffen und sie haben gleich erzählt, "Oooh, das Erdbeben, hast du's mitbekommen? Ich bin ganz nervös..." etc. pp. Ähh... welches Erdbeben? Das war jedenfalls den ganzen Tag lang das Gesprächsthema, und bei Facebook ist mein ganzer News Feed voll mit Posts darüber. Eine Auswahl:
  • I hope that we all survived the strongest earthquwacke lately tonight in Sofia n Pernik !!
  • Me despertó un temblor, y ya no puedo dormir!!!!
  • Най- бързото ми ставане :)
  • ein Video mit einem gesungenen Gebet für Bulgarien
  • eine horror nacht- ein 6,4 erdbeben in sofia... ich will nach deutschland..
  • ‎#prayForBulgaria?!?! Seriously Twitter, seriously?!?! uhmmm...no, thanks. Pray for your teen idol Selena Attention-Whore Gomez and leave my country alone, no1 even got seriously hurt. 
  • ‎5,6 по рихттер... Дано няма пострадали! Благодаря ти Боже, че опази секцията над главата ми да не ме убие!
  • Ja, dass war ein Erdbeben und ja, der Strom ist ausgefallen.
  • Seen on the ESN Bulgaria page: "Yesterday earthquake, now tornado... Tomorrow Vitosha is not a mountain but a volcano??? Fuck USA, the apocalypse starts in Bulgaria"
  • Night - earthquake, day - amazing thunderstorm with hail. And it's not even 4 pm ;p I LOVE BULGARIA!
Letzterem will ich mich anschließen. Обичам те, България! Das angesprochene Gewitter hat mich übrigens, im Gegensatz zum Erdbeben, voll erwischt. Nach dem Weg ins Büro sah ich aus, als wäre ich durch einen flachen Fluss gewatet. Nervig. (Und ich hatte sogar einen Regenschirm.)

Abschließend will ich also sagen, dass ich noch lebe, genau wie alle, die ich kenne (na gut, niemand ist tot), und dass ich weiterhin Wasser, Strom und Internet habe.


Ach ja, eine witzige Sache noch. Erinnert ihr euch an diesen Mini-Kanal, der bei mir zu Hause vorbei fließt? Über den ich mich heimlich immer lustig gemacht habe, weil er nur so 1 m breit ist, wenn überhaupt, aber extrem viel Platz hat? So sah er letzte Woche aus:



Und so heute:


That's all, folks.

Kathi

Montag, 14. Mai 2012

Workshops and hiking and sleep, oh my!


… das war meine letzte Woche. Montag habe ich noch irgendwie versucht, Teamer für die Workshops in Plovdiv aufzutreiben, was aber irgendwie unmöglich war. Alle hatten irgendwelche Diplomverleihungszeremonien oder Arbeit oder Uni oder waren in Istanbul... aber letztendlich sind dann nur wir drei vom Büro gefahren und es lief trotzdem ganz gut. Am Dienstag sind wir in den Bus nach Plovdiv gestiegen und dann bei E. untergekommen. Sie war 2006/07 Gastschwester einer deutschen Schülerin, ihr Bruder war in Frankreich im Austauschjahr und ihre Mutter ist im Vorstand – eine richtige YFU-Familie also. Wir haben uns richtig nett unterhalten und es war wie CouchSurfing. Uuund sie hat sogar eine Katze! Sie mochte mich nicht, aber es war wohl nichts persönliches; die anderen beiden „Fremden“ hat sie auch nicht gemocht.

Die Workshops am nächsten Tag liefen dann richtig gut. Die Schüler haben super mitgemacht und ich glaube, sie haben auch fast alle etwas darauf mitgenommen. Wir haben erst alle zusammen eine Gruppe geteamt, dann haben wir uns aufgeteilt und ich hatte eine Gruppe für mich allein. Der Workshop war dann erst etwas chaotisch – vor allem, weil wir eigentlich nicht genug Materialien hatten – war dann aber am Ende doch ganz gut. Wir hatten sogar noch etwas Zeit übrig und haben noch ein kurzes Spiel gemacht.


Danach sind wir essen gegangen, haben ein paar Einkäufe gemacht und sind zu E. zurückgekehrt. Dort haben wir „Ziemlich beste Freunde“ gesehen, was ein ziemlicher genialer Film ist. Dann sind wir noch kurz durch die Altstadt gelaufen, haben etwas zu Abend gegessen und waren in einer Bar. E.s Mitbewohnerin hatte Spanisch in der Schule und hat uns von ihren Plänen erzählt, durch Südamerika zu reisen (vier oder fünf Monate lang – wie cool ist das denn?).

Am Donnerstag liefen die Workshops nicht gaaanz so super, aber immer noch recht gut. Die Lehrer waren jedenfalls ganz begeistert und selbst die Rektorin sagte, wir seien immer wieder willkommen. Sogar in den englischen Klassen sollen wir vielleicht demnächst ein paar Workshops halten. Super!

Auf dem Weg zurück in die Stadt zum Mittagessen habe ich erst mal den Kopf ans Fenster gelehnt und gedöst – ohne zu merken, in was für einem Bus ich überhaupt war!



Unglaublich. Ich wusste ja, dass viele Busse aus Deutschland schließlich in Bulgarien landen, und bin auch schon öfter mit solchen gefahren, aber dieser? Das ist ja praktisch mein Schulbus!

Am Freitag haben wir schon die Details für den nächsten Workshop geklärt. Endlich werden wir mal wieder in Sofia sein, und zwar an einem Gymnasium für Wirtschaft und Finanzen... interessant. Abends war ich noch auf einem Chorkonzert von ein paar Mädels aus meinem Chor (irgendwie studieren die alle Klassischen Gesang oder solche Sachen... wow) und bin danach mit zwei Freundinnen durch Sofia spaziert. Hier gibt es gerade so eine Aktion mit Klavieren in der Stadt, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Die Mädels, mit denen ich unterwegs war, waren zusammen auf einem Musikgymnasium und konnten daher extrem gut Klavier spielen. Es war beinahe unheimlich.

 
Obwohl ich von den letzten zwei Wochen schon ziemlich fertig war – wir hatten ja auch kein richtiges Wochenende – bin ich am Samstag noch mit einer Gruppe CouchSurfer auf dem Vitosha herum gewandert (mehr Bilder findet ihr in meinem Facebook-Album).


Es war eigentlich ziemlich cool, und ich bin froh, dass ich's gemacht habe... aber danach war ich wirklich – figurativ – tot. Ich hab mich sogar noch kurz in einem Park hingelegt, bevor ich nach Hause gegangen bin. Keine Ahnung, was ich dann noch gemacht habe. Am Sonntag wollte ich ja auch eigentlich in die Kirche gehen, aber ich konnte die Energie einfach nicht aufbringen... also wurde es ein Gammeltag. Wegen irgendwelcher blöden Insektenstiche konnte ich nicht mal ausschlafen (durfte aber noch ~ 4 € für Fenistil ausgeben... doofe Viecher), habe dann aber später einen Mittagsschlaf gemacht.


Und ja! Das war's eigentlich. Fragen, Anmerkungen, Kritik, Hass?

Kathi